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Bis hierher und nicht weiter! Wir protestieren gegen die rechtswidrigen Sanktionen gegen Oberst Jacques Baud und den Kriegskurs der EU


Fordert die Freilassung des sozialistischen Kriegsgegners Bogdan Syrotiuk aus einem ukrainischen Gefängnis!


Waffenstillstand sofort! Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen an die Ukraine! Kein Krieg gegen Russland! Abzug aller Atomraketen aus Europa!


Freiheit für Julian Assange! Aufruf des Komitees zur Verteidigung von Julian Assange und Chelsea Manning …


Kein Krieg gegen den Irak! – Kein Blut für Öl und Macht! Aufruf der Initiative gegen den Irak-Krieg vom November 2002…


Europas Mittelstreckenwaffen

Von German-Foreign-Policy.com – 4. Mai 2026

In der Bundesrepublik werden nach Trumps Ankündigung, US-Soldaten abzuziehen und keine Tomahawks in Deutschland zu stationieren, Forderungen nach schneller Produktion eigener Mittelstreckenwaffen mit Reichweite bis Moskau laut.

Nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, keine Mittelstreckenwaffen in Deutschland zu stationieren, werden in Berlin Forderungen nach einer beschleunigten Entwicklung eigener Flugkörper mit einer Reichweite bis nach Moskau laut. Trump hatte Ende vergangener Woche erklärt, er werde 5.000 US-Soldaten aus Europa abziehen und von der lange geplanten Entsendung etwa von Tomahawk-Marschflugkörpern absehen. Der Schritt wird weithin als Strafmaßnahme gegen kritische Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zum US-Krieg gegen Iran interpretiert. Über das Ausbleiben der Mittelstreckenwaffen heißt es in Berlin, sie verhindere im Kriegsfalle das Ausschalten russischer Kommandozentralen und reiße so eine schmerzliche Lücke in die Kriegsplanungen der Bundesrepublik und der anderen Staaten Europas. Daher müsse jetzt die Entwicklung eigener Mittelstreckenwaffen mit einer Reichweite von über 2.000 Kilometern schneller als geplant vorangetrieben werden. Kritik an Trumps Maßnahme wird aber auch unter US-Militärs laut. Sie weisen darauf hin, dass der Schritt die Infrastruktur der US-Streitkräfte für ihre globalen Kriege, etwa die Militärbasis Ramstein, schwächt.

US-Teilabzug geplant

Wie US-Präsident Donald Trump am Wochenende angekündigt hat, will er rund 5.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Insgesamt sind zur Zeit mehr als 36.000 US-Militärs in der Bundesrepublik stationiert; damit ist das Land der größte US-Militärstandort in Europa und der zweitgrößte weltweit nach Japan (55.000) und vor Südkorea (28.500). Insgesamt sind in Europa etwas mehr als 85.000 US-Soldaten präsent, davon mehr als 12.500 in Italien und gut 10.000 in Großbritannien. Im Dezember hat der Kongress in Washington gesetzlich festgelegt, dass die Zahl der dauerhaft in Europa stationierten US-Militärs 76.000 nicht länger als 45 Tage unterschreiten darf. Abweichungen davon müssen vom US-Kriegsminister und vom Oberkommandierendenden der US-Streitkräfte in Europa umfassend gegenüber dem US-Kongress begründet werden.[1] Beobachter vermuten nun, konkret sei der Abzug einer kompletten US-Kampfbrigade geplant, die US-Präsident Joe Biden in Reaktion auf Russlands Angriff auf die Ukraine zu rotierenden Manövern nach Deutschland entsandt hatte. Darüber hinaus will Trump die eigentlich noch für dieses Jahr vorgesehene Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen, darunter Tomahawk-Marschflugkörper, in der Bundesrepublik ersatzlos absagen.

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Israel hat zwei unserer wichtigsten pro-palästinensischen Aktivisten entführt

Von Chris Hedges – 4. Mai 2026

Nichts verdeutlicht die Umkehrung der internationalen und moralischen Ordnung besser als der Völkermord in Gaza und die Lieferung von Waffen im Wert von mehreren zehn Milliarden Dollar an Israel durch westliche Nationen, insbesondere die Vereinigten Staaten, um diesen zu unterstützen. Teil dieser Umkehrung ist die unerbittliche Verfolgung derjenigen, die den Völkermord anprangern – insbesondere derjenigen, die ihr Leben riskieren, um ihn zu stoppen und Rechtsstaatlichkeit einzufordern.

Doch die Rechtsstaatlichkeit scheint in Gaza unter den Trümmern begraben zu sein.

Und deshalb ist Israel in der Lage, ohne nennenswerten Protest seitens der westlichen Nationen – Spanien ist eine der wenigen Ausnahmen – 175 Aktivisten an Bord der „Sumud Flotilla“ 500 Seemeilen vor Gaza und 80 Seemeilen westlich der griechischen Insel Kreta zu entführen.

Dieser Verstoß gegen das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen ging mit der üblichen israelischen Brutalität einher. Den Flottillenmitgliedern der 22 Schiffe, die abgefangen und dann auf das israelische Schiff NAHSHON gebracht wurden, wurde das Essen verweigert, sie wurden gezwungen, auf dem Boden zu schlafen, der „wiederholt“ mit Wasser geflutet wurde, sie wurden geschlagen, getreten, mit gefesselten Händen über das Deck geschleift und mit Gummigeschossen und scharfer Munition beschossen. Schließlich wurden alle bis auf zwei Flottillenmitglieder nach Kreta gebracht, wobei 36 medizinische Versorgung benötigten.

Zwei der führenden Aktivisten der Flottille, der brasilianische Organisator der Flottille, Thiago Avila, und der Spanier Saif Abu Keshek, der palästinensischer Abstammung ist und seit über zwei Jahrzehnten palästinensische Solidaritätsbewegungen in ganz Europa organisiert, durften nicht von Bord gehen, als das Schiff den Hafen von Ierapetra im Süden Kretas erreichte, obwohl sich das Schiff in griechischen Hoheitsgewässern befand.

Sie wurden entführt und nach Israel gebracht.

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[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Nach Anschlag in Washington: Venezuelas Übergangspräsidentin stellt Trump als Verteidiger des „Friedens“ dar

Von Andrea Lobo – 4. Mai 2026

Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez bei einem Treffen mit BP-Vorständen am 29. April 2026 [Photo: Ministerio de Comunicación de Venezuela]

Am 26. April wurde das festliche Dinner des Journalistenverbands White House Correspondents Association in Washington durch Schüsse unterbrochen. US-Präsident Trump wurde sofort in Sicherheit gebracht und der mutmaßliche Schütze verhaftet. Und Minuten später, noch bevor irgendein anderer Staatschef reagiert hatte, verurteilte die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez den Anschlag.

In einem Post auf X erklärte sie: „Wir sind gegen das versuchte Attentat auf Präsident Trump und seine Frau Melania und sprechen ihnen sowie den Teilnehmern des Korrespondenten-Dinner unsere besten Wünsche aus. Gewalt wird für uns, die das Banner des Friedens verteidigen, niemals eine Option sein.“

Dieses Statement zählt zu den groteskesten Äußerungen, die von einem führenden Politiker veröffentlicht wurden. Rodríguez bringt Trump mit „Frieden“ in Verbindung und beschönigt damit die zahllosen Kriegsverbrechen, die von Washington weltweit und auch direkt gegen Venezuela verübt werden.

Die World Socialist Web Site lehnt den mutmaßlichen Anschlag im Washington Hilton aus prinzipiellen Gründen ab. Politische Gewalt von Einzelpersonen stärkt lediglich die Kräfte der Reaktion. Doch diese Ablehnung erfordert nicht, noch erlaubt sie es, Trump oder den US-Imperialismus im Allgemeinen als Opfer darzustellen, losgelöst von seiner eigenen systemischen Gewalt.

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Demokraten ebnen den Weg für weitere 70 Milliarden Dollar für ICE und Grenzschutz

Von Jacob Crosse – 3. Mai 2026

Die parteiübergreifende Verabschiedung des Finanzierungsgesetzes für das Heimatschutzministerium (DHS) in der letzten Woche hat die monatelange Inszenierung der Demokraten als Gegner von Trumps Massenabschiebungen und seiner kriminellen Einwanderungspolitik als reine Farce entlarvt.

Das Finanzierungsgesetz, das der Senat im vergangenen Monat verabschiedete, hat das Repräsentantenhaus mit parteiübergreifender Mehrheit per Zuruf passiert. Mit seiner Unterzeichnung durch Trump am letzten Donnerstag endete der mit 76 Tagen längste Shutdown des DHS in der Geschichte der USA. Der Gesetzentwurf beinhaltet eine bewusste Trennung der Finanzierung von Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) und Zoll- und Grenzschutz (CBP), damit die Republikaner im Rahmen des Haushaltsausgleichsverfahrens eine massive neue Geldspritze für die Einwanderungspolizei durchsetzen können.

Aufgrund dieses Manövers können die Demokraten behaupten, sie hätten nicht direkt für die Finanzierung von ICE und CBP gestimmt, während gleichzeitig gewährleistet ist, dass diese Behörden ihr Geld trotzdem erhalten. Die Republikaner bereiten eine Geldspritze von 70 Milliarden Dollar über drei Jahre hinweg für die Einwanderungsbehörde vor. Dieses Verfahren ermöglicht es, Haushaltsgesetze mit einfacher Mehrheit im Senat zu verabschieden und so den Filibuster zu umgehen. Reuters berichtete, das Repräsentantenhaus habe den Rahmen für den Dreijahresplan mit 215 zu 211 ohne Unterstützung der Demokraten gebilligt, nachdem der Senat die Maßnahme schon am 23. April verabschiedet hatte.

Die Geldspritze in Höhe von 70 Milliarden Dollar kommt zu den mehr als 170 Milliarden Dollar hinzu, die bereits letztes Jahr im Rahmen von Trumps „One Big Beautiful Bill“ für die Einwanderungs-Gestapo, die Ausweitung der Konzentrationslager für Immigranten und die Militarisierung der Grenze bereitgestellt wurden. Im Kapitalismus ist angeblich kein Geld für Medicaid, Medicare, Lebensmittelmarken und andere grundlegende soziale Bedürfnisse vorhanden. Aber für faschistische Paramilitärs, Konzentrationslager und die Betreiber von Privatgefängnissen, die von massenhafter Unterdrückung profitieren, stehen offenbar fast eine Viertelbillion Dollar zur Verfügung.

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65. Tag im US-israelischen Angriffskrieg gegen Libanon und Iran – was am 3. Mai geschah

Von Peter F. Mayer – 3. Mai 2026

Während die Welt auf einen möglichen Waffenstillstand im US-Iran-Krieg wartet, zeigen die Ereignisse des 3. Mai 2026 ein klares Bild: Die asymmetrische Kriegsführung von Hisbollah und iranischen Kräften setzt der hochtechnisierten Übermacht Israels und der USA zu. Die Diplomatie wird mit einem 14-Punkte-Plan des Iran fortgesetzt. Nun wird auf eine Antwort der USA gewartet.

Hier die wichtigsten Entwicklungen des Tages, gestützt auf Berichte aus der Region. Laut Berichten von Fars News Agency äußerte Russland seine Bereitschaft, bei der Beendigung des US-israelischen Krieges gegen Iran zu helfen. Der russische Außenminister Sergey Lawrovw signalisierte, Moskau sei bereit, jede notwendige Unterstützung zu leisten, um den Frieden in Westasien wiederherzustellen. Gleichzeitig eskaliert Israel seine Operationen südlich des Litani-Flusses im Libanon – mit Vertreibungsanordnungen, Zerstörung christlicher Einrichtungen und hohen eigenen Verlusten durch billige Drohnen. Die „unbesiegbare“ Armee erweist sich einmal mehr als verwundbar.

Irans 14-Punke-Plan  

In ihrem Vorschlag hatten die USA einen zweimonatigen Waffenstillstand gefordert, doch der Iran betonte, dass die Streitfragen innerhalb von 30 Tagen gelöst werden müssten und dass der Schwerpunkt nicht mehr auf der Verlängerung des Waffenstillstands, sondern auf der „Beendigung des Krieges“ liegen sollte.

Themen wie Nichtangriffsgarantien, der Abzug der US-Streitkräfte aus den Gebieten rund um den Iran, die Aufhebung der Seeblockade, die Freigabe der eingefrorenen iranischen Vermögenswerte, die Zahlung von Entschädigungen, die Aufhebung der Sanktionen und die Beendigung des Krieges an allen Fronten, einschließlich des Libanon, sowie ein neuer Mechanismus für die Straße von Hormus gehören zu den Themen, die in dem 14-Punkte-Vorschlag des Iran enthalten sind.

Der Iran wartet auf eine offizielle Antwort der USA auf die Vorschläge. (Tasnim News)

Iran kontert die US-Blockade – Supertanker durchbricht die Linien

Iranische Kräfte demonstrieren weiterhin Entschlossenheit gegen die US-Seeblockade. Wie die iranische Nachrichtenagentur Fars News berichtet, hat ein riesiger iranischer Supertanker die US-Überwachungslinie durchbrochen und ist mit einer Rohölladung im Wert von 220 Millionen Dollar auf dem Weg in den Fernen Osten. Parallel dazu hat Pakistan offiziell Transitgüter über seine Häfen Gwadar, Karachi und Qasim für den Iran freigegeben – ein neuer Transitkorridor, der den südlichen iranischen Häfen als Ausweichmöglichkeit bei einer Seeblockade dient. Ein Militärberater des iranischen Revolutionsführers drohte zudem, die Straße von Hormus zum „Friedhof“ US-amerikanischer Flugzeugträger und Truppen zu machen. Die Islamische Revolutionsgarden (IRGC) warnte Washington: „Die Optionen der USA werden enger. Trump muss zwischen einer unmöglichen Militäroperation oder einem schlechten Deal wählen.“ (Fars News, aktuelle Berichte vom 3. Mai)

US-Präsident Donald Trump prüft derzeit Irans 14-Punkte-Friedensvorschlag, signalisiert aber Skepsis. Auf Truth Social schrieb er, er könne sich nicht vorstellen, dass Iran „einen [ausreichend hohen] Preis für das gezahlt hat, was es der Menschheit und der Welt in den letzten 47 Jahren angetan hat“. Gleichzeitig kündigte er weitere Truppenabzüge aus Deutschland an. Eine ABC/Washington-Post-Umfrage zeigt, dass zwei Drittel der [US-]Amerikaner die USA in die falsche Richtung steuern sehen – maßgeblich wegen der Ölkrise und steigender Benzinpreise durch den Iran-Krieg. Die vorläufige Opferbilanz der US-israelischen Angriffe auf den Iran liegt bei 3.375 Toten. (Middle East Eye-Live-Update und Al Jazeera-Berichterstattung).

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Die jüngste Krise in Mali droht zu einem regionalen Krieg zu eskalieren

Von Andrew Korybko – 3. Mai 2026

Es besteht ein wachsendes Risiko, dass der Tuareg-Separatismus erneut von Mali auf Niger übergreift und die Gewalt radikaler Islamisten sich sowohl dort als auch in Burkina Faso weiter ausbreitet, Das könnte direkte militärische Interventionen Algeriens, Nigerias, Frankreichs sowie der USA nach sich ziehen.

Es ist eine Woche her, dass der jüngste Aufstand in Mali durch die als terroristisch eingestuften Tuareg-Separatisten der „Azawad Liberation Front“ (FLA) und die radikalen Islamisten der „Jamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (JNIM) die jüngste Krise in Mali ausgelöst hat. Es wird vermutet, dass diese Kräfte in unterschiedlichem Maße von Frankreich, Algerien, der Ukraine und den USA unterstützt werden, um die Ziele zu verfolgen, die hier beschrieben wurde. Sollte sich die Krise verschärfen, könnte sie auf die Mitglieder der Allianz der Sahelstaaten (AES), Burkina Faso und Niger, übergreifen und so zu einem regionalen Krieg führen.

Niger erlebte in der Vergangenheit mehrere Tuareg-Aufstände, die sich in Zukunft wiederholen könnten, wenn die dortigen Verbündeten der FLA durch deren Erfolg in Mali ermutigt werden. JNIM ist ebenfalls in Niger aktiv, ebenso wie die Islamische Staat-Sahel-Provinz (ISSP), die im Südosten Malis präsent ist. Beide rivalisierenden, als Terroristen eingestuften radikalen Islamisten stießen kürzlich ebenfalls in Niger aufeinander. Die regionale Sicherheitslage wird noch weiter verkompliziert, da die JNIM den Nordosten von Burkina Faso beherrscht, sodass alle drei AES-Verbündeten von der bereits bestehenden regionalen Krise betroffen sind.

Diese Krise könnte zu einem regionalen Krieg eskalieren, wenn es in Niger zu einem weiteren Tuareg-Aufstand kommt, JNIM und/oder ISSP ihre Präsenz dort ausweiten, um die nahegelegene Hauptstadt Niamey zu bedrohen, und/oder JNIM, ermutigt durch ihrenErfolg in Mali, tiefer in Burkina Faso vordringt. Mali gilt als das Land mit dem stärksten Militär innerhalb der AES, doch die Aufstandsbekämpfung bleibt aus den hier aufgeführten Gründen eine Herausforderung, die für seine Verbündeten wahrscheinlich noch akuter ist, obwohl auch die Wagner-Gruppe und das Afrika-Korps ihnen helfen.

Jedes Szenario eines westafrikanischen Krieges, das sich aus der jüngsten Mali-Krise ergibt, würde sich wahrscheinlich nicht auf diese drei Länder beschränken, sondern könnte möglicherweise eine direkte militärische Intervention Frankreichs, der USA, Algeriens und sogar Nigerias nach sich ziehen. In umgekehrter Reihenfolge befürchtet Nigeria eine Übernahme oder zumindest eine Destabilisierung durch Terroristen in Niger, was auch die Terroristen im Norden Nigerias stärken könnte, wodurch der mehrheitlich christliche Süden noch stärker bedroht würde, als er es ohnehin schon ist, und/oder das Land de facto geteilt würde.

Was Algerien betrifft, so unterstützt es zwar Malis Tuareg-Separatisten aus den hier aufgeführten machiavellistischen Gründen, möchte aber weder die Entstehung eines unabhängigen Tuareg-Staates in Mali sowie noch weniger eines transnationalen Staates, der sich bis nach Niger erstreckt, da dies die Tuareg-Separatisten in Algerien ermutigen könnte. Die USA und Frankreich hingegen haben eine lange Tradition darin, regionale Terrorismusängste auszunutzen, um militärische Interventionen in Drittländern wie Libyen, Mali und Syrien zu rechtfertigen. Alle vier könnten daher in jeden westafrikanischen Krieg eingreifen.

Die USA versuchten Berichten zufolge, vor dem jüngsten Aufstand, der zur Krise eskalierte, ein militärisches Abkommen mit Mali auszuhandeln. Das Angebot bestand darin, dass US-Drohnen aus der benachbarten Elfenbeinküste bzw. dem nahegelegenen Ghana die regierende Junta durch Flüge über den Luftraum des Landes bei der Aufklärung, Überwachung und Aufklärung unterstützen sollten. Diese US-Stützpunkte könnten bald für offensive Operationen genutzt werden und möglicherweise sogar Kampfflugzeuge aufnehmen. Ebenso könnte Frankreich jederzeit zu seinen früheren Stützpunkten in der Region zurückkehren, auch wenn diese unter lokaler Kontrolle bleiben würden.

Die Voraussetzungen für eine Westafrika-Krise sind somit gegeben; diese könnte sich zu einem westafrikanischen Krieg ausweiten, in den Frankreich, die USA, Algerien sowie Nigeria direkt eingreifen könnten. Der Präzedenzfall ist die Krise in Mali von 2012–2013, als islamistische Radikale einen früheren Tuareg-Aufstand für ihre Zwecke missbrauchten, bevor Frankreich sie vertrieb. Die Geschichte wiederholt sich vielleicht nicht, aber dieses Mal könnte sie sich reimen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Nicht mehr sagen, was ist – alles wegen euch, ihr Systemfeinde!

Von Robert Lapuente – 3. Mai 2026

Verlagshaus, Spiegel, Hamburg
User:Wmeinhart – Wolfgang Meinhart, HamburgGFDL 1.2, via Wikimedia Commons

Der Leiter des Spiegel-Hauptstadtbüros legt ein Bekenntnis ab: So überkritisch dürfe man die Politik journalistisch nicht mehr begleiten. Denn das würde Systemfeinden nutzen. So ähnlich rechtfertigen sich Journalisten in allen Totalitarismen.

Sagen, was ist! Das war das Motto von Rudolf Augstein, seinerzeit Gründer des größten deutschen Magazins namens Spiegel. [Galt aber bereits für den »Spiegel« unter Augstein in der redaktionellen Praxis, wie bekannt, nur selektiv! Anm. der GG-Red.]. Dass es der Wahrheitsfindung dient, wenn man sagt, was ist, hatte schon vor Augstein und seinem Spiegel Anklang gefunden : denn bereits Rosa Luxemburg empfand es als »revolutionärste Tat«, wenn man sagt, was ist – sie wiederum bediente sich beim SPD-Gründer Ferdinand Lasalle, der »alle große politische Aktion« mit dem Aussprechen, was ist, verband. Ja, mehr noch, für ihn begann »alle politische Kleingeisterei« mit »dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist«.

Wie sehr sich Rudolf Augstein durch diese Koryphäen deutscher Politikgeschichte beeinflussen ließ, als er sein Motto formulierte, ist mindestens umstritten. Doch das Credo stand dem Magazin, ja überhaupt aller journalistischen Arbeit, gut an. Sagen, was ist! ist ein Bekenntnis zur Wahrhaftigkeit. Dem Journalisten steht es nicht an, die Wirklichkeit zu formen, ihr seinen Stempel aufzudrücken – auch wenn er es freilich unbewusst immer tut, schon deswegen, weil seine bloße Existenz die Dynamiken von Ereignissen verändert. Gleichwohl sollte er seine Einflussnahme auf ein Minimum reduzieren. Das ist die Haltung, die Journalismus benötigt – dezidierte Meinungsbeiträge sind hiervon ausgeschlossen. Beim Spiegel sieht man all das heute ganz offenbar anders.

Sagen, was sein soll

Augsteins Magazin hat in den letzten Jahren eine Transformation durchlitten – oder sagen wir lieber: die Leser und Abonnenten, so es noch gelesen und abonniert haben, haben schwere Zeiten durchgemacht. Ihr Magazin hat sich selten damit begnügt, das zu sagen, was auch wirklich ist. Sicher, da war die Episode Claas Relotius – ein Journalist, der sich Geschichten ersann. Und da er wusste, was sein Publikum und seine Kollegen, die deutsche Öffentlichkeit an sich, gerne liest, kam er zu großen Ehren: 2013, 2015, 2016 und 2018 gewann er den Deutschen Reporterpreis für seine Reportagen. Ein beschwingter Wortkünstler war Relotius nie. Aber er traf den Zeitgeist, man lag ihm zu Füßen, er kannte den Spirit – vereinfacht formuliert: Relotius schrieb aus der Warte des anständigen Justemilieu gegen jene an, die man als »kritische Masse« betrachtete – später würde man sie als »Querdenker«, »Schwurbler« oder »rechtsoffen« bezeichnen.

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Algeriens Kurswechsel ist für den jüngsten Aufstand in Mali verantwortlich

Von Andrew Korybko – 2. Mai 2026

Der jüngste malische Aufstand, der wiederum zu einem russisch-tuaregischen Krieg geführt hat, wäre nicht möglich gewesen, hätte sich Algerien nicht seinen ehemaligen tuaregischen Separatisten und radikalen islamistischen Feinden zugewandt. Ganz so so wie sich Saudi-Arabien kürzlich der Unterstützung seiner vormaligen Feinde von der Muslimbruderschaft im Jemen zugewandt hat.

Der russische Experte Sergei Balmasov erklärte gegenüber African Initiative, Russlands Informationsportal, das sich ausschließlich mit kontinentalen Angelegenheiten befasst, dass Algerien die Sahelzone als seinen exklusiven Einflussbereich betrachte, der für das Land sogar noch wichtiger sei als die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten für Russland. Er stützte zudem die begründete Vermutung, dass die Versorgungslinien der Aufständischen durch Algerien verlaufen. Dies wirft wiederum die Frage auf, warum Algerien seine ehemaligen Feinde unterstützen sollte, gegen die es zuvor gekämpft hat.

Während seines „Schwarzen Jahrzehnts“ in den 1990er Jahren kämpfte Algerien gegen radikale Islamisten, ähnlich der „Jamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (JNIM), die heute in mehreren Staaten der Region präsent ist. Es vermittelte zudem zwischen Tuareg-Rebellen und Mali, um diesen langjährigen Konflikt zu lösen, damit er nicht über die Grenze schwappt und die eigene Tuareg-Minderheit dazu ermutigt, zu den Waffen zu greifen. Dieser Hintergrund erklärt, warum Algeriens Unterstützung für die JNIM und die „Azawad Liberation Front“ (FLA) so überraschend ist.

Um auf Balmasovs Einschätzung zurückzukommen: die Ankunft der Wagner-Gruppe in Mali löste ungewollt ein algerisch-russisches Sicherheitsdilemma aus, obwohl beide Länder seit Jahrzehnten Partner sind, was dazu führte, dass Algier Wagner zum Rückzug aufforderte, nachdem es im Sommer 2024 zu einem von der Ukraine unterstützten Tuareg-Hinterhalt gekommen war. Aus algerischer Sicht griff Russlands Entscheidung, das durch den militärischen Rückzug Frankreichs entstandene Sicherheitsvakuum zu füllen, in Algeriens Pläne ein, seinen Einfluss auf die Sahelzone wiederherzustellen, insbesondere nach der Gründung der Allianz der Sahelstaaten (AES).

Die Festigung dieses mit Russland verbündeten militärisch-politischen Einflusspols, der unerwartet direkt an seinen Grenzen entstanden war, schien die algerischen Entscheidungsträger so radikalisiert zu haben, dass sie schließlich ihre Haltung gegenüber den Tuareg-Rebellen und radikalen Islamisten diametral änderten. Ähnlich wie bei Saudi-Arabiens Unterstützung für militante Mitglieder der Muslimbruderschaft im Jemen birgt auch die algerische Kehrtwende ein enormes Risiko von Rückschlägen. Grund für die Kehrtwende Algiers war das wahrgenommene geopolitische Dilemma, einen verlorenen Einflussbereich wiederherzustellen, der für die eigene Sicherheit unerlässlich ist.

Der Südjemen ist nun Saudi-Arabien untergeordnet, genauso wie Mali bald Algerien untergeordnet sein könnte. Die Sache des Südjemen ist vorerst verloren, aber Mali hat noch eine Chance, auch wenn die Chancen deutlich steigen würden, wenn Russland es davon überzeugen könnte, den Tuareg weitgehende Autonomie zu gewähren, damit sie sich von Algerien und der JNIM lösen, woraufhin sich Bamako, die Tuareg und Russland dann auf den Kampf gegen die JNIM konzentrieren könnten.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Von Iran bis Libanon: Das „Gaza-Modell“ wird zur Standardtaktik Israels und der USA

Von Peter F. Mayer – 2. Mai 2026

In der westlichen Berichterstattung wird oft von „Präzisionsschlägen“ und „Selbstverteidigung“ gesprochen. Die Realität auf dem Boden sieht jedoch völlig anders aus: Israel und die USA haben eine neue, brutale Kriegsdoktrin etabliert, die auf massiver Zerstörung ziviler Infrastruktur und kollektiver Bestrafung ganzer Bevölkerungen basiert.

Was in Gaza begann, wird nun auf Libanon und Iran ausgeweitet. Das „Gaza-Modell“ ist kein Einzelfall mehr – es ist die neue Normalität, schreibt Thomas Fazi in einem Artikel, der wesentlich auf der englischen Übersetzung eines Beitrags von Roberto Iannuzzi basiert. Am 8. April, nur einen Tag nach einem angeblichen Waffenstillstand mit Iran (der auch Libanon einschließen sollte), wurde Beirut von einem extrem heftigen israelischen Bombardement getroffen. Innerhalb weniger Minuten wurden ganze Wohngebäude in Schutt und Asche gelegt. Dutzende israelische Flugzeuge griffen etwa hundert Ziele in der Hauptstadt und anderen Teilen des Landes an. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete zunächst über 350 Tote und mehr als 1.200 Verletzte. Die Angriffe trafen dicht besiedelte Wohnviertel und belebte Geschäftsstraßen.

Israel nannte die Operation bezeichnenderweise „Eternal Darkness“ – ewige Dunkelheit. Ein Name, der die Absicht der totalen Zerstörung nur zu deutlich macht.

Das Gaza-Modell in Libanon

Seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 hat Israel in Gaza eine beispiellose Gewaltkampagne geführt, unterstützt durch massiven US-Waffen-Nachschub. Ganze Wohnviertel und zivile Infrastruktur wurden pulverisiert. Genau dieselben Taktiken sieht man nun in Libanon: massive Luftangriffe, willkürliche Evakuierungsaufforderungen, die Hunderttausende in die Flucht trieben, sowie die systematische Einebnung von Dörfern und Grenzstädten, um „Pufferzonen“ zu schaffen.

Krankenhäuser, Sanitäter, Rettungskräfte und sogar Journalisten gerieten ins Visier. Die internationale Gemeinschaft schaut weitgehend tatenlos zu.

Der fragile Waffenstillstand mit Hisbollah Ende 2024 wurde von israelischer Seite wiederholt verletzt. Dennoch rüstete Hisbollah schrittweise wieder auf. Nach der israelischen Tötung des iranischen Obersten Führers Ali Khamenei am 28. Februar reagierte die Gruppe mit einem weitgehend symbolischen Raketenangriff. Israel nutzte dies als Vorwand für eine großangelegte Offensive, die seit März bereits über 2.500 Tote und fast 8.000 Verletzte in Libanon forderte.

Israelische Politiker machten keinen Hehl daraus: Libanon solle „die gleiche Behandlung wie Gaza“ erhalten. Finanzminister Bezalel Smotrich kündigte an, die südlichen Vororte Beiruts würden bald aussehen wie Khan Younis – die im Süden Gazas völlig dem Erdboden gleichgemachte Stadt.

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Die USA, Israel und der Iran stehen am Rande eines großen Krieges

Von Alexander Kouzminov – 1. Mai 2026

Eine Fotomontage, die – gemäß verschiedener Quellen – Donald Trump selber in die sozialen Medien gesetzt haben soll. Welchen Weg er im Iran-Krieg beschreiten wird, ist offen. Sicher ist nur: Er sucht einen Weg, der ihn als Sieger erscheinen lässt. (Screenshot) Quelle: Globalbridge

Der russische Wissenschaftler Alexander Kouzminov, der seit vielen Jahren New Zealand lebt, betrachtet die geopolitische Lage und insbesondere den Krieg im Iran aus sicherer Entfernung. Alle von ihm skizzierten Möglichkeiten, insbesondere auch die Weiterführung des Krieges, haben Nachteile, nicht zuletzt auch für die USA und für Israel. Wie werden diese damit umgehen? (cm)

1. Die aktuelle Lage im Nahen Osten

Die aktiven Feindseligkeiten an allen Fronten wurden vorübergehend ausgesetzt. Es kommt lediglich zu lokalen Zusammenstößen. Die USA blockieren erfolgreich die Straße von Hormus und lassen weder iranische Schiffe noch Öltanker anderer Länder durch die Meerenge passieren. Der Iran seinerseits hat damit gedroht, Raketen auf US-Schiffe abzufeuern, die sich möglicherweise oder tatsächlich im Kriegsgebiet und in Reichweite der iranischen Waffen befinden. Die USA und Israel führen keine Bombenangriffe oder Raketenangriffe auf den Iran durch, und der Iran seinerseits greift keine amerikanischen Stützpunkte in der Region und Israel an. Das heißt, es herrscht eine vorübergehende Waffenruhe zwischen den beiden gegnerischen Seiten – der Koalition aus den USA und Israel gegen den Iran.

2. Welche Bedingungen können eine Veränderung der Lage beeinflussen?

Die vorübergehende Ruhe an den Fronten ist lediglich darauf zurückzuführen, dass beide gegnerischen Seiten die Feindseligkeiten einfach eingestellt haben, ohne einen echten Waffenstillstand oder Frieden zu erreichen, und sich im Standby-Modus befinden. Lassen Sie uns analysieren, welche Umstände die Veränderung der aktuellen Lage beeinflussen können.

Der erste Umstand ist, dass die USA entscheiden müssen, ob sie die Militäraktion fortsetzen werden oder nicht. Dies muss in aller Kürze geschehen, da Präsident Donald Trump die Zustimmung des US-Parlaments (Kongress) und seines Oberhauses (Senat) einholen muss, um die Militäroperationen gegen den Iran fortzusetzen. Diese Zustimmung würde de jure bedeuten, dass die USA offiziell in einen echten Krieg mit der Islamischen Republik Iran eintreten.

Sollte die Zustimmung des Senats und des Kongresses nicht eingeholt werden – was sehr wahrscheinlich ist, da es im US-Parlament und dessen Oberhaus vermutlich mehr Gegner des Konflikts gibt –, dann müssen die USA den Konflikt beenden und sich zu Bedingungen zurückziehen, auf die sie sich mit dem Iran einigen können. Gleichzeitig würden die Feindseligkeiten eingestellt, ein Friedensvertrag jedoch nicht unterzeichnet. Die Situation ähnelt stark derjenigen, die der Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten der Russischen Sowjetföderativen Republik, Leo Trotzki, 1918 während der Verhandlungen mit Deutschland formulierte – „weder Frieden noch Krieg“, was die Einstellung der Feindseligkeiten bedeutete. Der Satz ist zum Symbol für einen verzweifelten Versuch geworden, angesichts einer kritischen militärischen und politischen Niederlage zu manövrieren. [i] In diesem Fall wird auch Israel sich aus dem Konflikt zurückziehen müssen, indem es die Feindseligkeiten einstellt, da ein weiterer (zweiter) Umstand sowohl gegen die USA als auch gegen Israel zu wirken beginnt.

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