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Alastair Crooke: Niedergang, Irrationalität & der Krieg gegen Iran

Glenn Diesen im Gespräch mit Alastair Crooke – 9. Januar 2026

Alastair Crooke ist ein ehemaliger britischer Diplomat und Gründer des in Beirut ansässigen „Conflicts Forum“. Zuvor war er Berater für Nahostfragen von Javier Solana, dem EU-Außenpolitikchef. Crooke argumentiert, dass es notwendig ist, den Niedergang, die Verzweiflung und die Irrationalität des Westens zu berücksichtigen, um zu verstehen, warum die USA auf einen weiteren Krieg gegen den Iran zusteuern.

Die Ursachen und Folgen der raschen Auflösung der kurdischen Autonomie in Syrien

Von Andrew Korybko – 19. Januar 2026

Die Festigung des türkischen Einflusses auf Syrien stärkt die regionale Position des Militärblocks, der sich innerhalb der Umma bildet, und trägt somit zum Aufstieg eines neuen Machtpols an der Schnittstelle zwischen Afrika und Eurasien bei, sofern dessen potenzielle Mitglieder ihre Beziehungen formalisieren.

Die „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF), eine von den USA unterstützte Dachorganisation, die von bewaffneten syrischen Kurden der YPG dominiert wird, die mit der von der Türkei als Terrororganisation eingestuften PKK in Verbindung stehen, brach am Wochenende aufgrund des koordinierten Austritts ihrer arabischen Stammespartner schnell zusammen. Ihr geopolitisches Projekt, eine autonome Region aufzubauen, die nach der sozialistisch-liberalen „demokratisch-konföderalistischen” Ideologie des PKK-Gründers Abdullah Öcalan organisiert ist und von den USA als regionaler Keil genutzt wurde, ist damit beendet.

Der radikale Wandel des Schicksals der SDF, die jahrelang über Syriens landwirtschaftliche, energetische und hydrologische Reichtümer herrschte und nun durch die sich schnell verändernden Umstände zu einem einseitigen Waffenstillstand gezwungen wurde, der die Kontrolle des Zentralstaates über diese Ressourcen und ihr Land wiederherstellt, ist vor allem auf drei Gründe zurückzuführen. Der erste Grund ist, dass die oben erwähnte Kontrolle der SDF, die darauf beruhte, dass sie ihr sozialistisch-liberales „demokratisch-föderalistisches“ Modell der autoritär-islamistischen Stammesgesellschaft der lokalen Araber aufzwang, zu Spannungen mit diesen führte und deshalb stets instabil war.

Dies führt zum zweiten Punkt. Dass es bisher keine Massenfluchten gab, ist auf die militärische Unterstützung der SDF durch die USA zurückzuführen. Diese endete erst unter Trump 2.0. Seine neue Nationale Sicherheitsstrategie räumt Westasien keine Priorität mehr ein und zielt insgesamt darauf ab, ausländische Verstrickungen der USA zu vermeiden. Die regionale Keilfunktion der SDF gegenüber den lokalen Verbündeten des Iran, Syrien und der Türkei, war somit überholt. Das erklärt, warum die USA die Auflösung ihres geopolitischen Projekts nicht verhindert haben, sondern sich zurückzogen, um es sich selbst und somit ihre vormaligen Verbündeten von der SDF im Stich zu lassen.

Der letzte Grund für all dies war, dass der bewaffnete syrisch-kurdische Kern der SDF sich verrechnet hatte, indem er glaubte, die USA seien ein zuverlässigerer Verbündeter als Assad. Hätten sie sich von den USA distanziert, bevor die USA sie im Stich ließen, hätten sie möglicherweise eine Einigung erzielen können, um einen Teil ihrer autonomen Region zu erhalten. Der neue syrische Präsident Ahmed Sharaa hat kurz vor den Ereignissen dieses Wochenendes Sprachrechte und Staatsbürgerschaft für die Kurden verfügt, aber das ist nicht dasselbe wie die politisch-territoriale Autonomie, für die viele Kurden ihr Leben gelassen haben.

Nachdem wir die Ursachen für den raschen Abbau der kurdischen Autonomie in Syrien erläutert haben, ist es nun an der Zeit, die Folgen zu betrachten. In erster Linie handelt es sich hierbei um einen bedeutenden geostrategischen Sieg für die Türkei, die damit die militärisch-territoriale Bedrohung durch die mit der PKK verbündeten und mit Israel kooperierenden bewaffneten syrischen Kurden beseitigt, ihr Ziel der Unterwerfung Syriens vorangetrieben hat und sich nun stärker auf die Ausweitung ihres Einflusses nach Osten in Richtung Zentralasien konzentrieren kann. Die ersten beiden Ergebnisse stellen eine Herausforderung für die Interessen Israels dar, während das letzte Ergebnis eine Herausforderung für die Interessen Russlands bedeutet.

Eine Verschärfung der israelisch-türkischen Rivalität in Syrien ist für Tel Aviv bereits besorgniserregend genug, ganz zu schweigen davon, dass Ankara dies durch seine potenzielle Mitgliedschaft in der pakistanisch-saudischen Allianz ausnutzen könnte, um Israel und möglicherweise auch das potenzielle Mitglied Ägypten dazu zu bringen, mehr Druck auf Israel auszuüben. Diese im Entstehen begriffene „islamische NATO“, ermutigt durch Siege im Südjemen und in Syrien, könnte die militärische Zusammenarbeit in der Levante (Syrien und vielleicht Jordanien) und vielleicht eines Tages auch in Zentralasien (Kasachstan) ausweiten, um Israel und Russland zu bedrohen.

Die Festigung des türkischen Einflusses auf Syrien stärkt die Position des Militärblocks, der sich innerhalb der Umma bildet, und trägt somit zum Aufstieg eines neuen Machtpols an der Schnittstelle zwischen Afrika und Eurasien bei, sofern dessen potenzielle Mitglieder ihre Beziehungen formalisieren. Die USA billigen dies stillschweigend und sehen wahrscheinlich eine „islamische (arabisch-pakistanisch-türkische) NATO” als ultimativen Keil, um die östliche Hemisphäre aufgrund ihrer geostrategischen Lage und ihrer inhärenten Unterschiede zu Russland, Indien, Israel, der EU und SubsaharaAfrika geteilt zu halten.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache]

EU-Sanktionierung von Jacques Baud: Ist Veröffentlichung seiner Bücher und Interviews jetzt strafbar?

Von Florian Warweg – 19. Januar 2026

Die Sanktionierung des Schweizer Militäranalysten Jacques Baud durch die EU, ein Schritt, den die deutsche Bundesregierung explizit unterstützte, hat dazu geführt, dass seine Bücher mitten im Weihnachtsgeschäft von seinem deutschen Verlag aus dem Handel genommen wurden, aus Sorge, gegen das sogenannte Bereitstellungsverbot zu verstoßen. Jenes „Bereitstellungsverbot“ bedeutet, dass von der EU sanktionierten Personen keinerlei wirtschaftliche Vorteile mehr zugutekommen dürfen. Ebenso hatten zahlreiche deutsche Medien nach der Sanktionierung sämtliche Videos und Interviews mit ihm präventiv entfernt. Die NachDenkSeiten wollten vor diesem Hintergrund von der Bundesregierung wissen, ob sich Verlage und Medien tatsächlich mit der Veröffentlichung von Büchern und Interviews Bauds strafbar machen.

Hintergrund

Die Bundesregierung hatte am 15. Dezember im Rat der Europäischen Union zugestimmt, den Schweizer Militäranalysten und mehrmaligen Sachbuchbestsellerautor in Deutschland, Jacques Baud, auf die EU-Sanktionsliste zu setzen: Für den in Brüssel lebenden Analysten gilt seitdem ein umfassendes Einreiseverbot sowie Blockierung aller Konten und Finanztransfers im gesamten EU-Raum. Das heißt, er kann Belgien nicht verlassen und weder Zahlungen leisten noch erhalten: Keine Miete oder Versicherungen zahlen, keine Einkäufe tätigen. Ebenso ist jede Art von wirtschaftlicher Tätigkeit innerhalb der EU untersagt. Das betrifft im konkreten Fall auch die Einkünfte aus den Verkäufen seiner Bücher, darunter mehrere Bestseller.

Als einzige Begründung für diesen massiven Grundrechtseingriff wird ohne weitere Belege angeführt, er sei „regelmäßig Gast in prorussischen Fernseh- und Radioprogrammen“ und verbreite Theorien zur Entstehung des Ukrainekriegs, die die EU nicht teile: […]

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Schlechte Arbeitsmoral – Merz’ Unzufriedenheit mit den Deutschen, weil die zu wenig Einsatz und Leistung zeigen

Von Frank Blenz – 19. Januar 2026

Cleveres muss der Redenschreiber des Bundeskanzlers sich dabei gedacht haben, als er die Zeilen für die Neujahrsansprache von Friedrich Merz zum Empfang der Industrie- und Handelskammer in Halle-Dessau formulierte: Starke Worte, deutliche Aussagen, Wir-Gefühl ausdrücken, so wie „in die Hände spucken“ und vor allem: arbeiten, arbeiten, arbeiten. Ziel: Im Sinne des Regierungschefs würden die Zuhörer folgern, dass allein die, die, wie verlangt, in die Hände spucken und mehr als bisher leisten sollen, es so in den Händen haben, das Land „wieder voranzubringen“. Merz’ wahre Absichten sind aber andere, sein Handeln inakzeptabel, ist zu beobachten. Ihm geht es nur darum, zu fordern, statt selbst zu liefern.

Vom eigenen Zutun, der eigenen Arbeit, klugen Regierungshandeln vernahm sich keine Zeile. Der Redenschreiber von Bundeskanzler Friedrich Merz lieferte geschickt, den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung verschleiernd, im Tonfall patriotisch, eifrig und ein „Wir“ einfügend. Dem unsrigen Kanzler sei indes gesagt: Nicht etwa mehr Arbeit bringt mehr und/oder einen gesicherten Wohlstand (wobei die Frage erlaubt sein muss, wie der definiert sein soll). Eine soziale, umsichtige, faire Politik und Bedingungen, die die Deutschen mitnimmt, anstatt ihre Lebensleistungen zu missachten und für andere Zwecke zu missbrauchen – diese Mischung sorgt für Wohlergehen, materiell, finanziell, ideell.

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„Deutschland macht sich damit gemein mit israelischen Verbrechen“ – Interview mit Shir Hever zum deutsch-israelischen Cyberpakt

Interview: Maike Gosch – 19. Januar 2026

Mit einem neuen „Cyber- und Sicherheitspakt“ vertieft die Bundesregierung ihre Zusammenarbeit mit Israel in sensiblen Bereichen wie Cyberabwehr, Polizei und Geheimdienste. Das Abkommen wurde am 11. Januar 2026 vom deutschen Innenminister Dobrindt mit Israels Premierminister Netanjahu abgeschlossen – trotz breit dokumentierter völkerrechtswidriger Taten der israelischen Sicherheitskräfte in den besetzten Gebieten, u.a. Massentötung von Zivilisten, und der Tatsache, dass der israelische Premier „wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit” per internationalem Haftbefehl vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesucht wird (ausführlich zum Abkommen und den Hintergründen hier. Im Interview sprechen wir mit dem israelischen Politökonomen und Friedensforscher Shir Hever über die politische, rechtliche und gesellschaftliche Bedeutung dieser verstärkten Kooperation.

Zur Person: Shir Hever arbeitet unter anderem zur politischen Ökonomie der israelischen Besatzung, zu Rüstungs- und Sicherheitskooperationen sowie zu den Auswirkungen von Militär- und Überwachungstechnologien auf demokratische Gesellschaften. Er lebt in Deutschland und ist regelmäßiger kritischer Analytiker der deutsch-israelischen Sicherheitsbeziehungen.

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Kriegsübungen in Grönland (II)

Von German-Foreign-Policy.com – 19. Januar 2026

Nach der Entsendung von Militärs aus acht europäischen NATO-Staaten nach Grönland zu einer Erkundungsmission eskaliert der Konflikt mit den USA um die Insel. Trump kündigt bis zu Grönlands Übergang unter US-Hoheit hohe Strafzölle an.

Nach der Entsendung von Soldaten aus acht NATO-Staaten Europas, darunter Deutschland, nach Grönland eskaliert der Konflikt um die zu Dänemark gehörende Insel mit neuen Zolldrohungen der Trump-Administration. US-Präsident Donald Trump hat am Samstag angekündigt, zusätzliche Zölle in Höhe von 10 Prozent ab dem 1. Februar und von 25 Prozent ab dem 1. Juni auf alle Einfuhren aus den acht Staaten erheben zu wollen – so lange, bis Grönland unter US-Hoheit übergeht. Aus der EU heißt es bislang mehrheitlich, man beuge sich nicht und beharre auf Dänemarks territorialer Integrität. Die Entsendung von Militärs – zunächst nur im Rahmen einer Erkundungsmission – knüpft im Fall der Bundeswehr an eine seit fast zehn Jahren andauernde Ausweitung ihrer militärischen Aktivitäten in Europas Hohem Norden und in der Arktis an, die sich schon jetzt von Norwegen über Island bis nach Kanada erstrecken und im vergangenen Jahr zum ersten Mal auch Grönland erreichten. Sie richteten sich bislang ausschließlich gegen Russland. Jetzt positioniert sich die Bundeswehr mit ihren Grönland-Aktivitäten zum ersten Mal überhaupt unmittelbar gegen das Interesse der USA.

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„Für Kiews internationalen Terrorismus muss die ganze Welt den Preis zahlen“

Von Alexander Christenko (Übersetzung: Thomas Röper) – 19. Januar 2026

Letzte Woche gab es, kaum beachtet von deutschen Medien, wieder ukrainische Angriffe auf Öltanker im Schwarzen Meer. Dass deutsche Medien das „übersehen“ haben, könnte daran liegen, dass griechische Tanker angegriffen wurden, die für US-Konzerne Öl aus Kasachstan transportiert haben.

Deutsche Medien haben bestenfalls in sehr unscheinbaren Artikeln gemeldet, dass die Ukraine letzte Woche wieder Öltanker im Schwarzen Meer mit Drohnen angegriffen hat. Dass die deutschen Medien der Meinung sind, das deutsche Publikum soll davon nicht allzu viel erfahren, könnte daran liegen, dass die Ukraine keine russischen Tanker oder russisches Öl angegriffen hat, sondern griechische Öltanker, die Öl aus Kasachstan für westliche Konzerne nach Europa transportiert haben.

In Russland wurde jedoch darüber berichtet und ich übersetze hier den Beitrag, den das russische Fernsehen am Sonntagabend in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick darüber gezeigt hat. […]

Für Kiews internationalen Terrorismus muss die ganze Welt den Preis zahlen

Die ukrainischen Terroristen sind völlig durchgedreht und haben im Schwarzen Meer gleich drei Tanker mit Drohnen angegriffen, die kasachisches Öl geladen hatten. Alexander Christenko analysiert den Vorfall, doch zunächst stellt sich die Frage: Warum schweigen die europäischen „Grünen“?

Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen, wie eine ukrainische Kamikaze-Drohne einen ausländischen Öltanker im Schwarzen Meer angreift. Ein Feuer bricht aus. Am 13. Januar um 10:15 Uhr sendet die Besatzung der „Matilda“ über einen internationalen Kanal SOS.

Laut dem russischen Verteidigungsministerium wurde der Tanker etwa 100 Kilometer von Anapa entfernt von zwei ukrainischen Drohnen angegriffen. Neben der „Matilda“ wurde am selben Tag auch ein zweiter Tanker, die „Delta Harmony“, attackiert.

In beiden Fällen war es nur dem Zufall zu verdanken, dass es Verletzungen der zivilen Besatzung, keinen Großbrand, keinen Verlust der Tanker und keinen Austritt von Zehntausenden Tonnen Öl ins Schwarze Meer gab.

Dabei kommen Prozent des Öls aus kasachischen Feldern und werden im Rahmen des internationalen Projekts des Kaspischen Pipeline-Konsortiums (CPC) über eine separate Pipeline zum russischen Ölhafen Noworossijsk transportiert. Von dort werden sie an Verbraucher in den USA und Europa verschifft. Das durchschnittliche monatliche Transportvolumen beträgt sechs Millionen Tonnen.

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Trumps jüngste Zölle gegen mehrere NATO-Verbündete könnten weitreichende Folgen haben

Von Andrew Korybko – 19. Januar 2026

Die USA könnten ihr neues Interesse an der Unterstützung radikaler „Sicherheitsgarantien” für die Ukraine aufgrund der sich verschlechternden Beziehungen zu Westeuropa aufgeben; das zunehmend von Polen geführte Mittel- und Osteuropa könnte die strategische Bedeutung Westeuropas für die USA ersetzen; und die Spaltungen innerhalb der EU könnten sich dementsprechend vergrößern.

Trump kündigte an, dass die USA im nächsten Monat zusätzliche Zölle in Höhe von zehn Prozent auf diejenigen NATO-Verbündeten erheben werden, die symbolisch eine Handvoll Militäreinheiten nach Grönland entsandt haben, bevor dort am 1. Juni multilaterale Manöver mit Dänemark stattfinden, und Washington diese Zölle am 1. Juni auf 25 Prozent erhöhen wird. Betroffen sind die NATO-Verbündeten Dänemark, Großbritannien, Frankreich, die Niederlande, Deutschland, Norwegen, Schweden und Finnland. Diese Ankündigung erfolgt unmittelbar vor dem Davos-Gipfel in der nächsten Woche, während die zweite Frist unmittelbar vor dem nächsten NATO-Gipfel liegt.

Trump geht daher davon aus, dass dieses Thema sowie das Szenario eines neuen Handelskriegs zwischen den USA und der EU, der folgen könnte, wenn die Gesetzgeber der Union als Reaktion auf seine neuen Zölle die Bestätigung des Abkommens vom letzten Sommer auf Eis legen, die Diskussionen in der nächsten Woche dominieren und im Idealfall zu einer Einigung etwa zum Zeitpunkt des nächsten NATO-Gipfels führen werden. In diesem Zusammenhang erklärte er in seiner Ankündigung, dass die USA Grönland von Dänemark kaufen wollen, schloss aber auch nicht aus, militärische Mittel einzusetzen, sollte Kopenhagen sich weiterhin widersetzen.

Angesichts der schlechten Lage der EU-Wirtschaft, die nicht zuletzt auf die Einhaltung der US-Sanktionen zurückzuführen ist, die zu einer Beendigung der kostengünstigen Energieimporte aus Russland geführt haben, ist es unwahrscheinlich, dass die EU einen langwierigen Handelskrieg mit den USA führen, geschweige denn diesen gewinnen könnten. Während The Economist spekulierte, dass betroffene NATO-Verbündete wie Deutschland die USA aus ihren Stützpunkten vertreiben könnten, könnte das benachbarte Polen sie einfach aufnehmen, wie es dies bereits seit Jahren praktisch erbittet.

Um es mit den berüchtigten Worten zu sagen, die Trump während des umstrittenen Treffens im Weißen Haus im letzten Jahr an Selenskyj richtete: Europa hat keine Trümpfe in der Hand, was die Frage aufwirft, warum es Trump zu einem Handelskrieg provozieren sollte, in dem die betroffenen NATO-Verbündeten zum Scheitern verurteilt wären. Der realistischste Grund ist, dass sie ihr Bekenntnis zu der „regelbasierten Ordnung“ demonstrieren wollten, die Trump mit der Gefangennahme [und Entführung; die Red.] Maduros während der erstaunlich erfolgreichen [wie erfolgreich sie tatsächlich war, wird sich erst noch erweisen: die Red.] „speziellen Militäroperation“ der USA zunichte gemacht hat.

Angesichts ihres Status als Juniorpartner gegenüber den USA, der bereits in der Natur ihrer Beziehungen verankert war, als sie sich den antirussischen Sanktionen anschlossen, aber durch die rasche Wiederherstellung der Macht der USA unter Trump 2.0 radikal verstärkt wurde, hätten sie sich mit der Trump-Regierung auch in der Grönland-Frage arrangieren sollen. Schließlich sind ihre Beziehungen zu Russland bereits ruiniert und ihre Verbindungen zu China sind bei weitem nicht so eng, wie sie sein müssten, um sich auf sie als Gegengewicht zu den USA verlassen zu können, sodass eine Mitläuferhaltung [im englischen Original: „Bandwagoning“*; die Red.] die beste Option gewesen wäre.

Anstatt sich anzuschließen oder zu balancieren, versuchten die betroffenen NATO-Verbündeten (die sich als Verfechter der inzwischen nicht mehr existierenden „regelbasierten Ordnung“ verstehen, die von den USA selbst zerstört wurde, nach“dem sie ihren Interessen nicht mehr gedient hat), diese auf symbolische Weise militärisch herauszufordern, was Trump provozierte. Da er seine Weltanschauung offen zur Schau stellt, ist es kein Geheimnis, wie er die Welt sieht, und er empfand dies wohl als inakzeptabel und erbärmlich. Nun will er diejenigen demütigen, die sich ihm widersetzt haben.

Dazu gehören der britische König Charles, der französische Präsident Emmanuel Macron und der finnische Ministerpräsident Alexander Stubb, die er bisher alle als Freunde betrachtete und deren Länder eine Schlüsselrolle bei der Eindämmung Russlands spielen. Wenn sich die Beziehungen der USA zu diesen drei Ländern parallel zu Trumps persönlichen Beziehungen zu ihren Staatschefs verschlechtern, könnten die USA aufhören, mit einer Ausweitung der Unterstützung für die Truppen der NATO-Verbündeten in der Ukraine zu liebäugeln, was die neue gefährliche Unklarheit über ihre Haltung zu diesem Thema beseitigen würde.

Darüber hinaus würde eine Verschlechterung der Beziehungen der USA zu Westeuropa Polen freuen, das eine Führungsrolle in Mittel- und Osteuropa (MOE) anstrebt und bei der Verfolgung dieses großen strategischen Ziels die stillschweigende Unterstützung der USA erhalten hat. Ebenso könnten die Spannungen innerhalb der EU, die aufgrund der Aussetzung der Zustimmung der EU-Gesetzgeber zum Handelsabkommen mit den USA vom letzten Sommer möglicherweise entstehen, dazu beitragen, die Pläne des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki zur Reform der EU populär zu machen, für die sich die Länder der Region gemeinsam einsetzen könnten.

Zusammenfassend lassen sich folgende wahrscheinliche Konsequenzen aus Trumps jüngsten Zöllen gegen mehrere NATO-Verbündete ableiten: Die USA geben ihr neues Interesse an radikalen „Sicherheitsgarantien” für die Ukraine aufgrund der sich verschlechternden Beziehungen zwischen den USA und Westeuropa auf; die strategische Neuausrichtung der USA, die zunehmend von Polen geprägte MOE gegenüber Westeuropa zu bevorzugen, beschleunigt sich; und die von Polen angeführte Spaltung innerhalb der EU zwischen dem Westen und der MOE hinsichtlich der Frage, ob der Block zentralisiert oder reformiert werden soll, um die Souveränität der Mitglieder zu bewahren, vertieft sich.

All dies sind wahrscheinliche Konsequenzen, jedoch nur im Falle anhaltender Probleme zwischen den USA und den betroffenen NATO-Verbündeten, die möglicherweise nicht eintreten werden, wenn diese ihre strategischen Positionen neu bewerten, erkennen, dass sie keine Trümpfe in der Hand haben, und daher ihre Ablehnung gegenüber dem Kauf Grönlands umgehend aufgeben. Wenn sie jedoch aus ideologischen Gründen hartnäckig auf ihrer Position beharren, wären die Folgen weitreichend und würden sie in globalen Angelegenheiten noch irrelevanter machen, als sie es ohnehin schon sind.

*Innerhalb der Internationalen Politik: Staaten schlagen sich auf die Seite eines mächtigeren Staates und hoffen (als Trittbrettfahrer) auf positive Ergebnisse.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache]

Die Iran-Krise: amerikanische Verantwortungslosigkeit und europäische Dummheit

Von Petr Drulak – 18. Januar 2026

Die Tschechische Republik ist wirtschaftlich stark von Deutschland abhängig und hat gerade noch im Jahr 2023 einen Vertrag über eine engere Zusammenarbeit mit dem US-Militär abgeschlossen – was nicht besonders verwunderlich ist, wenn man weiß, dass der Staatspräsident Petr Pavel ein ehemaliger NATO-General ist. Aber bei allen Versuchen der dortigen EU- und NATO-Freunde, andere Meinungen zu unterdrücken: Es gibt sie noch, auch Politologen mit besten beruflichen Referenzen, die sich erlauben, eine eigene Meinung zu haben – und sie auch zu äußern. Einer von ihnen ist Petr Drulák […]. (cm)

Im letzten Monat kam es im Iran zu schweren Unruhen, bei denen Hunderte, vielleicht sogar Tausende Iraner ums Leben kamen – unschuldige Demonstranten, Angehörige der Sicherheitskräfte, aber auch Terroristen, die zu Gewalt aufriefen. Obwohl das Land mit schwerwiegenden internen Problemen zu kämpfen hat, sind die Ursachen der Unruhen äußerer Natur. Der Iran ist seit langem dem Druck Israels ausgesetzt, das versucht, das Regime der Islamischen Republik zu stürzen. Dieser Druck wird erst dann zu einer existenziellen Bedrohung für den Iran, wenn sich die USA anschließen, was unter Donald Trump in größerem Maße als je zuvor der Fall ist. Aber auch die Trump-Regierung sollte sich bewusst sein, dass ein Krieg im Iran den USA nichts Gutes bringen wird. Die israelisch-amerikanischen Spielchen um den Iran werden auch Europa nichts Gutes bringen.

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Von Grönland bis Kanada: Trump im „Annexionsfieber“

Von Aidan J. Simardone (Übersetzung/Einleitung: Thomas Röper) – 18. Januar 2026

Dass Trumps Ambitionen auf Grönland ernst gemeint sind, hat er gerade durch die Einführung der Strafzölle gegen europäische Länder gezeigt. Aber auch Kanada dürfte bald merken, dass Trump es ernst meint.

Gestern hat US-Präsident Trump in einem Post auf TruthSocial angekündigt, Strafzölle gegen die europäischen Länder zu verhängen, die sich in der Grönland-Frage gegen ihn gestellt haben. Darüber habe ich berichtet, seinen Post komplett übersetzt und auch darauf hingewiesen, dass er in dem Post auch seine Ambitionen auf Kanada erneuert hat […].

In dem gestrigen Artikel habe ich schon angekündigt, dass ich einen interessanten Artikel gefunden und übersetzt habe, in dem es um Trumps Ambitionen auf Kanada geht und in dem erklärt wird, warum eine Annexion Kanadas für Trump schwieriger wird als die Annexion Grönlands. Trotzdem vermute ich, dass Trump auch den Druck auf Kanada erhöhen wird, um das Land in die USA einzugliedern. […]

Kommen wir zur Übersetzung des […] Artikels, den ich bei The Cradle gefunden habe. […]

Von Grönland bis Kanada: Trumps Annexionsfieber

Washingtons Ambitionen, die westliche Hemisphäre zu kontrollieren, eskalieren. Kanadier sollten nicht unterschätzen, was das für ihre Zukunft bedeutet.

Von Aidan J. Simardone

Als US-Präsident Donald Trump 2019 erstmals die Idee äußerte, Grönland zu kaufen, wurde dies weithin als bizarrer imperialer Rückfall abgetan. Doch heute, da der US-Präsident erneut Ambitionen auf die größte Insel der Welt signalisiert, wirkt die Idee nicht mehr so weit hergeholt.

„Wir werden etwas in Bezug auf Grönland tun, ob sie es mögen oder nicht“, erklärte Trump kürzlich. „Denn wenn wir es nicht tun, werden Russland oder China Grönland übernehmen, und wir wollen nicht Russland oder China als Nachbarn haben.“

Grönland, ein autonomes Territorium Dänemarks, ist zum Schauplatz intensiver geopolitischer Rivalität geworden. Während das arktische Eis schmilzt und Schifffahrtsrouten sich öffnen, ist seine strategische Bedeutung massiv gestiegen.

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