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Bis hierher und nicht weiter! Wir protestieren gegen die rechtswidrigen Sanktionen gegen Oberst Jacques Baud und den Kriegskurs der EU


Fordert die Freilassung des sozialistischen Kriegsgegners Bogdan Syrotiuk aus einem ukrainischen Gefängnis!


Waffenstillstand sofort! Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen an die Ukraine! Kein Krieg gegen Russland! Abzug aller Atomraketen aus Europa!


Freiheit für Julian Assange! Aufruf des Komitees zur Verteidigung von Julian Assange und Chelsea Manning …


Kein Krieg gegen den Irak! – Kein Blut für Öl und Macht! Aufruf der Initiative gegen den Irak-Krieg vom November 2002…


Warum die Leugnung des ukrainischen Kriegsverbrechens in Lugansk verlogen ist

Von Thomas Röper – 23. Mai 2026

Westliche Medien tun immer so, als ließen sich die Kriegsverbrechen, die die Ukraine in Russland verübt, „nicht unabhängig überprüfen“ Warum das nicht stimmt.

Die Ukraine hat im Gebiet Lugansk eine Berufsschule und das dazugehörige Wohnheim beschossen, in dem die 14 bis 18-jährigen Schüler leben. Dabei wurden fast 40 Jugendliche verletzt und über 20 sind tot oder unter den Trümmern verschüttet, aus denen kein Lebenszeichen zu hören ist und aus denen bisher nur tote Jugendliche geborgen wurden.

Der Westen bezeichnet den Vorfall als „russische Manipulation“ oder „Fake“ und die westlichen Medien stellen die ukrainische Version, die Ukraine habe ein militärisches Ziel angegriffen, als wahr dar, während sie die russischen Vorwürfe als „russische Propaganda“ darstellen und hinzufügen, man könne die Angaben „nicht unabhängig überprüfen“.

Das stimmt schlicht nicht, denn ein Blick auf die Regionalmedien der Region Lugansk reicht aus, um zu erfahren, dass die russische Version der Wahrheit entspricht. Wer nun einwendet, lugansker Medien seien nicht neutral, dem sei gesagt, dass das zwar so sein mag, dass Regionalmedien sich so einen Vorfall jedoch nicht ausdenken oder ihn beliebig falsch darstellen können, weil die Menschen in der Region ja wissen, was bei ihnen „vor der Haustür“ passiert. Würden diese Medien dreist lügen, würde man das in den russischen sozialen Netzwerken, vor allem auf den lugansker Telegram-Kanälen sehen, weil sich dort ein Shitstorm über die Regionalmedien ergießen würde.

Und wäre das so, würden westliche Medien das sofort aufgreifen. Das geschieht aber nicht, weil sich der Vorfall tatsächlich so zugetragen hat, wie Russland berichtet.

Und das könnten die westlichen Medien auch selbst überprüfen, denn das russische Außenministerium hat alle in Russland akkreditierten ausländischen Journalisten eingeladen, nach Lugansk zu reisen und sich selbst vor Ort umzusehen und mit den Zeugen und Opfern zu sprechen. Ich habe die Einladung angenommen und werde auch berichten, ob zumindest ein Kollege aus den Moskau-Büros der westlichen Medien die Einladung angenommen hat. Meine Erfahrung aus früherenderartigen Vorfällen sagt mir, dass ich bei der Reise keinen Kollegen der westlichen Medien treffen werde.

In lugansker Medien werden unterdessen die ersten Fotos der Opfer veröffentlicht.

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Ukraine bombardiert Schülerwohnheim, viele tote Jugendliche, aber keine Kritik in deutschen Medien

Von Thomas Röper – 23. Mai 2026

Die Ukraine hat im Gebiet Lugansk ein Schülerwohnheim mit mehreren Drohnen beschossen, wobei mindestens 16 Jugendliche getötet und 39 verletzt wurden, sechs werden noch unter den Trümmern vermutet. Der Westen hat mal wieder kein Wort der Kritik und der Spiegel will nicht hinsehen – obwohl er es tun könnte.

Am Freitag hat die Ukraine mehrere Drohnen auf das Hauptgebäude und das Wohnheim der Berufsschule in Starobelsk im Gebiet Lugansk (LNR) abgefeuert, in der Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren unterrichtet werden. Bei dem Angriff wurden nach aktuellem Stand 16 Jugendliche getötet, 39 weitere verletzt, sechs werden unter den Trümmern vermutet.

Der Westen bestreitet den Angriff. Die lettische UN-Vertreterin bezeichnete den Angriff als „Provokation und Fake des Kremls“, während die Ukraine erklärte, sie habe keine Berufsschule und kein Wohnheim, sondern den Standort einer russischen Spezialeinheit angegriffen, die dort Drohnen produziert habe.

Der Spiegel berichtete über den Angriff unter der Überschrift „Angriff im Gebiet Luhansk – Putin wirft Ukraine »Terrorakt« vor – Ukraine spricht von »Manipulation«“ und formulierte den Artikel so, dass die ukrainische Version glaubwürdig klingt, während die russische Version als unglaubwürdig dargestellt wurde. Während der Spiegel jede Horrormeldung aus der Ukraine als Tatsache darstellt, spielt er Gräueltaten der Ukraine herunter. Aber das kennen wir ja schon.

Eine Formulierung, die der Spiegel in solchen Fällen immer benutzt, lautet, man könne die Vorgänge nicht unabhängig überprüfen. In diesem Fall klang das beim Spiegel so:

„Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Auch zu der Zahl der Opfer und Vermissten in dem Wohnheim gibt es keine verifizierten Informationen.“

Doch, man kann die Angaben überprüfen, denn niemand hindert die Mitarbeiter des Spiegel-Büros in Moskau daran, nach Lugansk zu fahren und sich den Ort persönlich anzuschauen. Schließlich arbeitet beispielsweise Christina Hebel vom Spiegel immer noch in Moskau.

Mehr noch: Nachdem die Staaten des Westens Russland „Manipulation“ und „Fakes“ vorwerfen, hat das russische Außenministerium ausländische in Russland akkreditierte Journalisten eingeladen, den Ort der Tragödie zu besuchen. Diese Einladung gilt ausdrücklich auch für westliche Mainstream-Medien, aber die haben die Einladung unter Vorwänden abgelehnt. CNN beispielsweise hat auf die Einladung geantwortet, man sei im Urlaub und könne daher niemanden aus dem Moskau-Büro nach Lugansk schicken.

Ob der Spiegel jemanden nach Lugansk schicken wird? Die Einladung gilt ja auch für das Spiegel-Büro in Moskau.

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Lawrow zu den Plänen der USA, den EU-Energiemarkt dauerhaft zu kontrollieren

Von Andrew Korybko – 23. Mai 2026

Die Umsetzung dieser Pläne wird nicht nur die Staatskasse des Kremls belasten, sondern auch die Bedrohungen für die nationale Sicherheit Russlands aus europäischer Richtung spürbar verschärfen, wobei dasselbe Modell auch im Süden auf die von der Türkei ausgehenden Bedrohungen aus dem Südkaukasus und Zentralasien angewendet werden soll.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow gab RT India im Vorfeld seines Besuchs in Indien zum BRICS-Außenministertreffen ein ausführliches Interview zu einer Vielzahl von Themen. Eines der wichtigsten Themen, auf das er besonders viel Zeit verwendete, war der globale Energiemarkt und insbesondere die Pläne der USA, den EU-Markt auf Dauer zu kontrollieren. Als Beweis für dieses Ziel verwies er auf die entsprechenden Doktrindokumente der USA, wahrscheinlich eine Anspielung auf den National Energy Dominance Council und die damit verbundene Politik.

Die USA haben nicht nur Sanktionen gegen russische Energie verhängt – eine Politik, die von der Trump-Regierung im vergangenen Herbst mit Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil fortgesetzt wurde –, sondern koordinieren nun auch die Ölexporte des Post-Maduro-Venezuela, um damit de facto ihre eigene Präsenz auf dem globalen Markt auszubauen. Darüber hinaus führte die durch den von den USA und Israel ausgelösten Angriffskrieg gegen den Iran verursachte massive Störung der regionalen Energieexporte zu einer Versorgungskrise für die EU, die die USA zu einem höheren Preis ausgleichen wollen.

Die Vereinigten Staaten verfügen jedoch selbst nicht über genügend Öl und Gas, um dies vollständig zu tun, und auch die venezolanischen Exporte, die sie de facto über Stellvertreter kontrollieren, können in absehbarer Zeit nicht ausreichen, da deren Ausbau Zeit und Investitionen erfordert. Aus diesem Grund glaubt Lawrow, dass „die Amerikaner planen, die gesprengten Nord Stream-Pipelines wieder in Betrieb zu nehmen … Sie wollen sie zu etwa einem Zehntel des Preises erwerben, den die Europäer dafür bezahlt haben … (aber) die Preise werden stattdessen von den Amerikanern diktiert“ und somit viel höher sein als die Russlands.

Das ist laut Lawrow noch nicht alles, denn „sie wollen auch – dies haben sie offen zugegeben – die Kontrolle über die Transitgasleitung von Russland nach Europa durch die Ukraine übernehmen, um auch diese Ströme zu kontrollieren. Ihr Ziel ist also völlig klar: Sie wollen jede bedeutende Energieversorgungsroute unter ihre Kontrolle bringen.“ „Lawrow warnte vor den Plänen von Trump 2.0 zur globalen Vorherrschaft“ bereits Anfang dieses Jahres. Insbesondere die energetische Dimension schreitet in Bezug auf Europa eindeutig zügig voran.

Die Folge einer dauerhaften Kontrolle des EU-Energiemarktes durch die USA, die sie durch den Ausschluss Russlands aus diesem Markt anstreben, ist, dass die USA dann auch die Außenpolitik der EU dauerhaft kontrollieren werden. Wie bereits Anfang dieses Jahres erläutert wurde: „Die USA nutzten russophobe Paranoia und Energiegeopolitik als Waffen, um die Kontrolle über Europa zu erlangen“, und dies beschleunigt wiederum den Übergang zur „NATO 3.0“, was voraussichtlich zum Aufbau eines „Cordon sanitaire“ um Russlands westliche und südliche Grenzen führen wird, wie hier vorhergesagt.

Die westliche Hälfte umfasst Finnland, die baltischen Staaten, Polen, die Ukraine und Rumänien, die alle letztendlich Deutschland unterstellt sein könnten, während die südliche Hälfte die Türkei, ein gemeinsam von Turkvölkern und dem Westen unterworfenes Armenien, Aserbaidschan und möglicherweise bald auch Kasachstan umfasst. Die südliche Hälfte wurde kürzlich hier näher erläutert. Darüber hinaus wird der Vertikale Gaskorridor die türkisch-russischen Beziehungen schwächen, während die Pläne der Türkei für eine transkaspische Pipeline ihre Rivalität verschärfen werden – beides Projekte, die mit den USA verknüpft sind.

Die Pläne der USA, den Energiemarkt der EU auf Dauer zu kontrollieren, werden daher nicht nur die Kassen des Kremls treffen, sondern auch die Bedrohungen für die nationale Sicherheit Russlands aus europäischer Richtung spürbar verschärfen, wobei dasselbe Modell durch die beiden genannten Pipelines auch entlang der südlichen Achse angewendet werden soll. Russland steht somit vor einer schwierigen Aufgabe, nämlich diesen Trend, dessen Dynamik es nicht mehr kontrollieren kann, einzudämmen und dann umzukehren. Gelingt dies nicht, wird es sich diesen latenten Bedrohungen stellen müssen, einigen davon möglicherweise sogar ganz direkt.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Die Einkreisung – Wie aus einer rhetorischen Warnung eine operative Logik wurde – und warum die NATO an einer Sollbruchstelle steht, die niemand benennen will

Von Michael Hollister – 21. Mai 2026

Die Türkei ist nicht nur ein großes Land, auch seine Lage ist speziell, grenzt das Land doch an sieben andere Länder, die nicht alle untereinander befreundet sind. Und vor allem die Macht über den Zugang vom Mittelmeer zum Schwarzen Meer und damit sozusagen auch zu Russland macht die Türkei zu einem wichtigen Player in der Region. Und seine Mitgliedschaft in der NATO, ein weiterer Machtfaktor … (Karte Wikipedia)

Die folgende Analyse von Michael Hollister basiert auf einem Interview, das der Autor mit Deniz Karabağ geführt hat. Nicht ganz einfach zu lesen, aber eine Chance, die nächsten NATO-Jahre zu verstehen. (cm)

Am 9. April 2026 schrieb Joe Kent einen Satz auf X, den niemand offiziell beantwortet hat. 3,89 Millionen Mal angesehen, zweiundsiebzigtausend Likes – und aus dem Weißen Haus, dem State Department, dem Pentagon: Schweigen. Der Satz lautet: Die Vereinigten Staaten würden die NATO nicht verlassen, um sich aus fremden Verstrickungen zurückzuziehen, sondern um sich an die Seite Israels stellen zu können, wenn es zwischen Israel und der Türkei in Syrien zum Zusammenstoß kommt. Geschrieben hat das nicht ein frustrierter Außenstehender. Geschrieben hat das der Mann, den Donald Trump 2020 zu seinem Counterterrorism-Berater gemacht hatte, der 2025 zum Direktor des National Counterterrorism Center ernannt wurde, der elf Kampfeinsätze als Green Beret hinter sich hat, dessen Frau Shannon 2019 in Manbij durch einen ISIS-Selbstmordanschlag starb – und der am 17. März 2026 aus Protest gegen den Iran-Krieg von seinem Direktorposten zurückgetreten ist, mit der Begründung, dieser Krieg sei „von Israel und seiner Lobby fabriziert“ worden.

Und das, was er sagt, ist keine Tagespolitik. Es ist eine Prozessbeschreibung über mehrere US-Präsidentschaften hinweg – und die Frage, die sich aus seinem Satz ergibt, lautet nicht mehr ob, sondern wann, und unter welchem Präsidenten.

Fünf Schritte in zweiundfünfzig Tagen

Bennett kam zuerst. Am 17. Februar 2026 sprach der ehemalige israelische Premierminister auf der Conference of Presidents in Jerusalem den Satz aus, der seither durch die strategischen Diskurse Washingtons rollt: Die Türkei sei das [sic!] neue Iran. Erdogan versuche, Saudi-Arabien umzudrehen, eine feindliche sunnitische Achse mit dem nuklearen Pakistan aufzubauen, und Israel müsse begreifen, dass die nächste existenzielle Bedrohung nicht aus Teheran komme, sondern aus Ankara. Was Bennett sagte, war nicht nur eine außenpolitische Einordnung. Es war eine Frame-Verschiebung. Bis zu jenem Tag im Februar war „die Türkei als zweites Iran“ eine Fußnote in den Papieren der Foundation for Defense of Democracies, eine Randmeinung in den Memos der Brookings Institution, ein Grenzsatz in den Briefings von AIPAC. Bennett brachte sie auf eine Bühne, von der aus sie in den amerikanischen Diskurs sprang. Innerhalb weniger Wochen begannen Israel-affine Organisationen ihre Ressourcen umzuschichten – was über Jahre als Anti-Iran-Lobbyarbeit gelaufen war, wandelte sich in beschleunigtem Tempo zu Anti-Türkei-Positionierung. Es ist die gleiche Dynamik, die 2002 vor dem Irak-Krieg zu beobachten war und die 2012 vor den Iran-Sanktionen funktionierte: Eine politische Position, die in den außenpolitischen Eliten seit Jahren zirkuliert, wird durch eine prominente Stimme öffentlich gemacht, und der Apparat setzt sich in Bewegung. Bennetts Hexagon-Konzept – Israel als Zentrum, Griechenland, Zypern, Aserbaidschan, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate als Eckpunkte – war zum Zeitpunkt seiner Rede bereits eine Beschaffungsarchitektur, kein theoretisches Modell mehr. Was er aussprach, war nicht die Diagnose einer Bedrohung, sondern die Lieferung einer Begründung. Ich habe Bennetts Hintergrund, sein politisches Profil und die strategische Architektur seines Hexagon-Konzepts in der Analyse vom 15. März ausführlich behandelt. Hier reicht es festzuhalten: Bennetts Rede war keine Improvisation. Sie war die öffentliche Verdichtung dessen, was in Israel-affinen Think-Tank-Kreisen seit Monaten zirkulierte – und sie hat die Grenze zwischen Randmeinung und Mainstream-Diskurs überschritten.

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Die Angriffe der Ukraine auf Russland werden Russland nicht an den Verhandlungstisch zwingen. Ganz im Gegenteil.

Von Stefano di Lorenzo – 21. 2026

Russland bombardiert in der Ukraine noch immer ausgesprochen zurückhaltend. Dieses Verhalten wird aber oft falsch eingeschätzt …

Russland hat in der Ukraine bisher deutlich gemacht, dass es kein Interesse hat, das ehemalige Bruderland mehr als nötig zu zerstören. Der Druck in Russland auf den Kreml aber steigt, der Welt endlich zu zeigen, was Russland kann, wenn es will. (cm)

In den vergangenen Wochen argumentieren immer mehr russische Experten und Kommentatoren, dass eine Eskalation des Stellvertreterkriegs zwischen Russland und dem Westen unvermeidlich werden könnte. Dieser Trend ist zu konstant, um bloß Zufall zu sein. Angesichts der zunehmenden Angriffe der Ukraine sehen viele Russen offenbar nur noch einen Ausweg.

Seit mehr als drei Jahren vermitteln westliche Regierungen, Thinktanks, Fernsehsender und große Zeitungen der europäischen und amerikanischen Öffentlichkeit, dass die Bewaffnung der Ukraine nicht nur eine Option, sondern die einzig moralisch vertretbare Politik sei. Verhandlungen mit Moskau galten nicht als Diplomatie, sondern als Kapitulation. Forderungen nach Kompromissen wurden wie ideologische Abweichungen behandelt. Anhaltender militärischer Druck werde stattdessen Putin letztlich „zu Verhandlungen zwingen“.

Amerikaner, Deutsche, Franzosen, Italiener und andere wurden schrittweise darauf konditioniert, jeden ukrainischen Angriff tief im russischen Territorium als Zeichen dafür zu sehen, dass der Frieden — also Russlands Niederlage — näher rücke. Jeder Drohnenangriff auf eine Raffinerie, jede Explosion nahe eines Militärflugplatzes, jede Sabotageaktion gegen Infrastruktur galt als Beweis dafür, dass Russland strategisch erschöpft und psychologisch gebrochen werden könne. Das Problem damit ist nur: Russland lässt sich ungern zu irgendetwas zwingen. Russen verstehen sich als stolzes Volk, das Respekt einfordert.

In vielen westlichen Berichten über ukrainische Angriffe war eine spürbare Schadenfreude erkennbar. Berichte über Belgorod, die Krim, die Schwarzmeerflotte oder die russische Energieinfrastruktur wurden oft von einer gewissen Aufregung begleitet. Das emotionale Grundmuster war klar: Russland werde endlich gedemütigt.

Ähnlich war die Stimmung vor den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges in Moskau. In westlichen Kommentaren wurde offen spekuliert, ein ukrainischer Angriff auf oder nahe dem Roten Platz würde eine verheerende symbolische Demütigung für den Kreml darstellen. Russische Beamte sollen westliche Diplomaten in Kiew zugleich gewarnt haben, ein solcher Angriff würde eine äußerst harte Reaktion provozieren.

„Die Russen bluffen nur“

Westliche Bürger und Experten, die vor einer Eskalation warnten, wurden häufig mit Spott behandelt. Die Vorstellung, Russland könnte irgendwann unvorhersehbar — vielleicht sogar irrational — reagieren, galt als „Hereinfallen auf russische nukleare Erpressung“. Moskaus Warnungen sollen nur als Theater verstanden werden. Jede frühere „rote Linie“, die nicht zu nuklearer Eskalation führte, wurde zum Beweis erklärt, dass auch die nächste bedeutungslos sei.

Diese Logik hat sich tief im strategischen Denken des Westens verankert. Russland eskalierte nicht nach den HIMARS-Lieferungen, nicht nach den Leopard-Panzern, nicht nach Storm Shadow, ATACMS oder Angriffen tief im russischen Hinterland. Also — so das Argument — werde Russland auch künftig jede Eskalation hinnehmen. Doch diese Interpretation beruht auf einer gefährlichen Annahme: dass die Zurückhaltung von gestern auch die Zurückhaltung von morgen garantiert.

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Iran hat 20 Prozent der US-amerikanischen MQ-9-Reaper-Drohnenflotte zerstört: Bericht

Von MEE-Mitarbeitern – 22. Mai 2022

Die USA haben durch die vom Iran zerstörten Reaper-Drohnen Verluste in Höhe von rund 1 Milliarde US-Dollar erlitten, was die Kriegskosten weiter in die Höhe treibt

Der Iran hat MQ-9-Reaper-Drohnen im Wert von 1 Milliarde US-Dollar zerstört, was etwa 20 Prozent des Bestands der hochentwickelten unbemannten Luftfahrzeuge der USA vor dem Krieg entspricht, wie aus einem Bericht von Bloomberg vom Freitag hervorgeht.

Dem Bericht zufolge wurden viele der Drohnen vom Iran während des Fluges abgeschossen, andere hingegen am Boden zerstört, als der Iran US-Militärstützpunkte am Golf angriff.

Die MQ-9 ist sowohl eine Überwachungsdrohne als auch ein Transportdrohne, die in der Regel Hellfire-Raketen oder gelenkte Bomben vom Typ Joint Direct Attack Munition (JDAM) transportieren kann.

Bloomberg berichtete, dass die USA in dem Krieg möglicherweise bis zu 30 MQ-9-Reaper-Drohnen verloren haben, eine höhere Zahl als die 24, die in einem in diesem Monat vom Congressional Research Service veröffentlichten Bericht genannt wurden.

Der Preis von einer Milliarde US-Dollar erhöht die Kosten des Krieges gegen den Iran, die laut Angaben eines hochrangigen Pentagon-Beamten gegenüber Reuters im Mai bis zu 29 Milliarden US-Dollar erreichten. Die MQ-9-Reaper-Drohne wird vom US-Militär schrittweise ausgemustert, obwohl General Atomics sie weiterhin für ausländische Kunden produziert.

Die Fähigkeit des Iran, MQ-9-Reaper-Drohnen abzuschießen, ist ein weiterer Beweis dafür, dass es dem Land gelungen ist, eine gewisse Luftabwehr aufzubauen, trotz der Behauptungen von US-Präsident Donald Trump, die Verteidigungsanlagen des Landes seien „ausgelöscht“ worden.

Ein US-Beamter erklärte diese Woche gegenüber der New York Times, dass iranische Militärkommandanten möglicherweise die Flugmuster von US-amerikanischen Kampfflugzeugen und Bombern über ihrem Luftraum kartiert hätten, was die Risiken erhöhen würde, sollte Trump beschließen, den Krieg gegen den Iran wieder aufzunehmen.

Tage bevor die USA und der Iran im April einen fragilen Waffenstillstand erzielten, schoss der Iran ein F-15E Strike Eagle-Kampfflugzeug ab, was eine massive US-Rettungsaktion für die Piloten auslöste. Wäre es dem Iran gelungen, den US-Piloten lebend zu fangen, hätte dies laut Experten enormen Druck auf Washington ausgeübt.

Die New York Times berichtete, dass Russland dem Iran möglicherweise dabei geholfen habe, die Flugmuster der USA zu erfassen, um seine militärischen Ressourcen und Luftabwehrsysteme besser positionieren zu können.

Der Iran und Russland unterhalten seit langem ein Sicherheitsabkommen. Russland hat den Iran laut mehreren US-Medienberichten durch die Bereitstellung von Satellitenbildern von US-Kriegsschiffen und Militärpersonal unterstützt.

Die iranische Luftabwehr besteht aus einer Mischung aus im Inland hergestellten Systemen sowie russischen und chinesischen Systemen.

Middle East Eye war das erste Medium, das berichtete, dass China dem Iran Luftabwehrbatterien geliefert habe, und zwar nach dem Krieg im Juni 2025, der in der Bombardierung von drei iranischen Nuklearanlagen durch die USA gipfelte.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf Middle East Eye]

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Wird an der lettisch-weißrussisch-ukrainischen Front bald ein großer Krieg ausbrechen?

Von Andrew Korybko – 22. Mai 2026

Der amtierende ukrainische Präsident Selenskyj behauptete, dass „die Russen Szenarien für weitere Angriffe auf die Ukraine erwägen – mit dem Ziel unserer nördlichen Regionen, der Richtung Tschernihiw-Kiew“ von Weißrussland aus, unter dem angeblichen Vorwand ihrer dortigen Nuklearübungen.

Die von Selenskyj angesprochenen russischen Übungen ergänzen den jüngsten Test der Interkontinentalrakete „Sarmat“, was insgesamt die Abschreckungsfähigkeit Russlands stärkt. Der größere Kontext betrifft die gemischten Signale, die von den sich verbessernden Beziehungen zwischen Weißrussland und den USA sowie von Selenskys Drohung, Lukaschenko zu entführen, ausgehen.

Selenskyjs ehemaliger Außenminister Dmytro Kuleba behauptete zudem erst letzten Monat, dass Weißrussland möglicherweise einen Angriff auf die Ukraine vorbereite – ein Beitrag, der damals hier auf seine Richtigkeit überprüft wurde. All dies folgt auf die Angst vor einem weißrussisch-ukrainischen Krieg im Sommer 2024, über die Leser hier, hier und hier mehr erfahren können. Erst letzte Woche behauptete der russische Auslandsgeheimdienst, dass ukrainische Drohnenteams im NATO-Mitgliedstaat Lettland stationiert worden seien, um von dort aus Angriffe auf Russland zu starten, und warnte, dass Russland Vergeltungsmaßnahmen ergreifen werde.

Die kombinierte Wirkung dieser jüngsten Spannungen, die sich vom NATO-Mitglied Lettland über den russischen Verbündeten Weißrussland bis zur von der NATO unterstützten Ukraine erstrecken, hat zu einer offensichtlichen Verschärfung der Spannungen zwischen der NATO und Russland geführt, da diese Länderreihe genau zwischen ihren militärischen Einflusssphären verläuft. Darüber hinaus planen Frankreich und Polen in naher Zukunft regelmäßige Nuklearübungen gegen Russland (insbesondere Kaliningrad) und Weißrussland, was die Befürchtungen weiter schürt, dass durch Fehleinschätzungen ein heißer Krieg zwischen der NATO und Russland ausbrechen könnte.

Mehrere Szenarien sind möglich: Das erste ist, dass alles unter Kontrolle bleibt, ohne dass es an einer dieser Fronten – Weißrussland-Ukraine, Russland-Lettland und Frankreich/Polen-Russland/Weißrussland – zu einer Eskalation kommt. Das zweite ist, dass Russland erneut von Weißrussland aus die Ukraine angreift, mit oder ohne Beteiligung Weißrusslands, oder dass Weißrussland dies eigenständig mit russischer Unterstützung tut. Das erscheint jedoch unwahrscheinlich, und relativ wahrscheinlicher ist, dass die Ukraine Belarus unter dem (wohl falschen) Vorwand eines Präventivschlags angreift.

Das Szenario einer belarussisch-russisch-ukrainischen Eskalation könnte unabhängig vom russisch-lettischen Eskalationsszenario oder parallel dazu eintreten und so in dieses Szenario übergehen, was wahrscheinlich dazu führen würde, dass Russland wie angedroht zurückschlägt, falls ukrainische Drohnenteams den Angriff von dort aus tatsächlich durchführen. Dieses Szenario ist weitaus gefährlicher, könnte aber entweder beherrschbar bleiben, wenn die dort stationierten NATO-Verbündeten nicht zurückschlagen – insbesondere wenn die USA dies nicht tun (und ihnen davon abraten) – oder radikal eskalieren.

Schließlich würde das Eskalationsszenario zwischen Frankreich/Polen und Russland/Weißrussland wahrscheinlicher werden, sollte sich das russisch-lettische Szenario entfalten, da Frankreich sich gezwungen sähe, polnische Truppen zu verteidigen, die Lettland unterstützen könnten, sei es an der Grenze oder gegen Kaliningrad und/oder Weißrussland. Sollte Frankreich zurückweichen, nachdem es durch seine neu angekündigten regelmäßigen Nuklearübungen signalisiert hat, dass sein nuklearer Schutzschirm nun auch Polen umfasst, würde Russland wahrscheinlich Polen und die baltischen Staaten zerstören, während eine Unterstützung dazu zum Dritten Weltkrieg führen könnte.

In allen drei Fällen sind es jeweils die Ukraine, Lettland sowie Polen und Frankreich, die wohl darüber entscheiden werden, ob es zu einer Eskalation gegen Russland kommt oder nicht, und sie alle sind Junior-Partner der USA. Daher liegt es an US-Präsident Trump, sie entweder zum Rückzug zu zwingen oder zu entscheiden, ob es sich lohnt, den Dritten Weltkrieg mit Russland auszulösen, indem er auf dessen Vergeltungsmaßnahmen gegen diese Provokationen, die Washingtons Verbündete gerade aushecken, mit eigenen Vergeltungsmaßnahmen reagiert. Allerdings hat Trump bisher öffentlich nichts dieser Art signalisiert, sodass seine Überlegungen unklar bleiben.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Trumps „Entschädigungsfonds“: Die Verschmelzung von Gangster-Oligarchie und Staat

Von Patrick Martin – 22. Mai 2026

Der Begriff „Korruption“ beschreibt nicht mehr angemessen, was in Washington vor sich geht. Die Trump-Regierung vertritt einen Grundsatz – eine moderne Version von „l’état, c’est moi“ –, wonach der US-Präsident das Recht beansprucht, öffentliche Gelder, Immunität und Gefälligkeiten zu verteilen wie ein Mafiaboss, der Umschläge aushändigt. Der „Anti-Weaponization Fund“ offenbart das Wesen des Trump-Regimes: die Verschmelzung einer Gangster-Oligarchie mit dem Staatsapparat.

Der Fonds – genehmigt vom Weißen Haus und dem Justizministerium (beide unter Trump) in Verhandlungen zwischen Trump und seinem ehemaligen persönlichen Anwalt Todd Blanche, dem amtierenden Generalstaatsanwalt – ist ein Akt der Usurpation von Kongressbefugnissen durch den Präsidenten, der in der amerikanischen Geschichte beispiellos ist.

Trump erklärte sich bereit, seine fingierte Zehn-Milliarden-Dollar-Klage gegen die Steuerbehörde IRS wegen angeblicher Fahrlässigkeit bei der Weitergabe seiner Steuererklärungen an die New York Times fallen zu lassen. Im Gegenzug erklärte sich Blanche – der seine Anweisungen von Trump erhält und hofft, das „amtierend“ aus seinem Titel streichen zu können – bereit, 1,776 Milliarden US-Dollar an staatlichen Mitteln bereitzustellen, um Entschädigungen an Personen zu zahlen, die behaupten, von der Regierung unter Joe Biden ungerechtfertigt untersucht oder strafrechtlich verfolgt worden zu sein.

Die Einrichtung des „Anti-Weaponization Fund“ allein durch Maßnahmen der Exekutive ist ein direkter und dreister Verstoß gegen die US-Verfassung. Artikel I, der den Kongress als oberste Regierungsinstanz festlegt, besagt: „Keine Gelder dürfen aus der Staatskasse entnommen werden, es sei denn aufgrund von gesetzlich bewilligten Mitteln“, womit die Ausgabenhoheit beim Kongress liegt, nicht beim Präsidenten.

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Der 8. Mai: Wie der Sieg der Sowjetunion über die Nazis aus der Erinnerung getilgt werden soll

Von Katja Rippert – 23. Mai 2026

Hissen der sowjetischen Flagge über dem Reichstag am 2. Mai 1945

Am 8. und 9. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. Die Rote Armee marschierte in Berlin ein, Hitlers Regime war besiegt. Der Vernichtungsfeldzug der Nazis gegen die Sowjetunion und der Drang nach „Lebensraum im Osten“ endeten in einer katastrophalen Niederlage. Heute – 81 Jahre später – versucht der deutsche Imperialismus [der trotz zunehmender Dissense mit dem Seniorpartner USA keineswegs ein souveräner ist, sondern tatsächlich mehr denn je abhängiger und untergeordneter Teil des US-Imperialismus; die GG-Red.], diese Schmach rückgängig zu machen.

Die ideologische Kampagne, die in diesem Jahr rund um den 81. Jahrestag des Kriegsendes lief, war von offenem Revanchismus geprägt. Der Sieg der Sowjetunion über Deutschland soll aus der Erinnerung getilgt werden. Der Gedenktag am 8. Mai wird immer offener und schamloser zum Anlass genommen, die Geschichte zu fälschen und die ideologischen Voraussetzungen für die Kriege der Gegenwart zu schaffen.

Während Besucher der sowjetischen Ehrenmale in Berlin Kränze für die Soldaten der Roten Armee niederlegten und den Opfern des nationalsozialistischen Terrors gedachten, rüstet die Bundesregierung in einem Tempo auf wie seit 1945 nicht mehr. Ein neuer Weltkrieg entwickelt sich bereits an mehreren Fronten. Der Ukrainekrieg geht in sein viertes Jahr und der Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran droht die gesamte Region in Brand zu setzen.

Deutschland befindet sich de facto erneut in einem Krieg gegen Russland und riskiert eine nukleare Eskalation. In den Wochen vor dem Jahrestag hat die Bundesregierung das neue Wehrdienstgesetz eingeführt, erstmals seit Kriegsende eine deutsche Militärstrategie veröffentlicht und eine „strategische Partnerschaft“ mit der Ukraine vereinbart, die gemeinsame Rüstungsproduktion sowie die wirtschaftliche Ausbeutung der Ukraine vorsieht. Die deutsche Panzerbrigade in Litauen, die in unmittelbarer Nähe zu russischem Territorium dauerhaft stationiert ist, wird personell aufgestockt.

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Die Entscheidung der Ukraine, einen führenden Hitler-Kollaborateur mit staatlichen Ehren umzubetten, empört die Polen

Von Andrew Korybko 21. Mai 2026

Andrey Melnik ist in den Augen vieler Polen ein terroristischer Separatist, da seine OUN-Fraktion für die Ermordung vieler Polen vor und während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich war.

Der derzeitige Vorsitzende der „Organisation Ukrainischer Nationalisten“ (OUN), Bogdan Chervak, gab bekannt, dass die Asche des ehemaligen Vorsitzenden Andrey Melnik im Rahmen einer Zeremonie, an der ukrainische Amtsträger teilnahmen, von seiner Grabstätte in Luxemburg exhumiert wurde. Dies folgt auf ein kürzlich erlassenes Dekret, wonach die Asche mit staatlichen Ehren auf dem Nationalen Militärfriedhof in Kiew beigesetzt werden soll. Laut ukrainischen Medien soll dies ein nationales Fest werden, das große Aufmerksamkeit seitens des Staates und der Gesellschaft erhalten wird.

Einer dieser Medienkanäle berichtete, dass „auch feierliche Veranstaltungen beim Überqueren der Staatsgrenze und beim Transport der sterblichen Überreste durch ukrainisches Gebiet geplant sind, an denen Regierungsvertreter, Militärangehörige und die Öffentlichkeit teilnehmen werden“. Diese Entwicklung verärgert die Polen vorhersehbar; Melnik ist in ihren Augen ein terroristischer Separatist, da seine OUN-Fraktion für die Ermordung vieler Polen vor und während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich war.

Der Kanzlerkandidat der konservativen polnischen Opposition für die nächsten Parlamentswahlen im Herbst 2027, Przemyslaw Czarnek, schrieb auf X: „Andriy Melnyk war ein Feind der polnischen Nation. Er ist einer der Väter des kriminellen ukrainischen Nationalismus. Unsere Nachbarn können sich bessere Helden leisten. Seine Verherrlichung ist ein Akt der Feindseligkeit gegenüber Polen. Wenn sie ihn in die Ukraine bringen wollen, dann nicht durch unser Land.“ Dies folgte auf zwei eindringliche Beiträge der polnischen Aktivistin Malgorzata Zych.

Im ersten forderte sie den konservativen Präsidenten Karol Nawrocki auf, Selenskyj dafür offiziell den Orden des Weißen Adlers abzuerkennen, nachdem dieser im Jahr 2023 von seinem Vorgänger Andrzej Duda die höchste Auszeichnung Polens erhalten hatte. Ebenso stellte sie in ihrem zweiten Beitrag die Frage, warum der geplanten staatlichen Ehrung Melniks durch die Ukraine kein diplomatischer Skandal folgt, während es zu einem solchen kam, als Selenskyj später im selben Jahr einen bis dahin wenig bekannten Nazi-Kollaborateur im kanadischen Parlament ehrte.

Ein ergänzender Punkt, den viele Gelegenheitskommentatoren in den sozialen Medien angesprochen haben, ist die Frage, warum die Ukraine Polen nicht erlaubt, die über 100.000 ihrer Landsleute, die während des Volhynien-Völkermords von beiden OUN-Fraktionen (der von Melnik und der von Stepan Bandera) ermordet wurden, zu exhumieren und ordnungsgemäß zu bestatten. Selbst Polens ukrainfreundlicher Außenminister Radek Sikorski erinnerte Kiew Ende 2024 daran, dass es Deutschland vor langer Zeit genau dies mit den Überresten von über 100.000 Wehrmachtssoldaten gestattet habe.

Zu diesem jüngsten Skandal hat er sich jedoch noch nicht geäußert, aber es besteht die Möglichkeit, dass er dies als Reaktion auf die öffentliche Empörung tun könnte, um seiner regierenden liberalen Koalition im Hinblick auf die nächsten Wahlen im Herbst 2027 zu helfen. Dennoch reichen Worte möglicherweise nicht aus, um die wütenden Polen zu besänftigen, denen zunehmend bewusst wird, wie sehr ihr Nachbar sie hasst, trotz all dessen, was Polen seit 2022 für die Ukraine getan hat. Dazu gehören Ausgaben in Höhe von 4,91 Prozent des polnischen BIP für die Ukraine (hauptsächlich für Flüchtlinge) und die Spende seines gesamten militärischen Bestands.

Wie kürzlich hier und hier erläutert, betrachten ukrainische Nationalisten sowohl aus Melniks als auch aus Banderas Fraktion den Südosten Polens als rechtmäßig ihnen gehörend, sodass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass traumatisierte, aber kampferprobte ukrainische Veteranen dort einen separatistischen Aufstand anführen, sobald die militärische Sonderoperation Russlands endet. Die Umbettung von Melniks Asche mit staatlichen Ehren könnte einige von ihnen weiter ermutigen, insbesondere wenn Polens regierende liberale Koalition dazu schweigt, sodass sich dieses Problem sogar noch vor Kriegsende manifestieren könnte.

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[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.