Keine der beiden Seiten will sich den diametral entgegengesetzten Forderungen der anderen in den drei für ihr Sicherheitsdilemma zentralen Fragen beugen: Afghanistan ist nicht in der Lage, Pakistan zu besiegen, und Pakistan wird die enormen Kosten nicht akzeptieren, die ein Sturz der Taliban und eine unbefristete Besetzung Afghanistans mit sich bringen würden.
Das chinesische Außenministerium gab letzte Woche bekannt, dass der Sonderbeauftragte Chinas für Afghanistan-Angelegenheiten „zwischen Afghanistan und Pakistan hin- und herpendelt“, um in dem seit fast einem Monat andauernden Krieg einen Waffenstillstand zu vermitteln. Daraufhin erklärte der russische Sonderbeauftragte für Afghanistan gegenüber lokalen Medien, Russland sei „bereit, eine solche Möglichkeit in Betracht zu ziehen, wenn beide Seiten gleichzeitig um Vermittlung bitten“. So lobenswert diese Bemühungen auch sein mögen, eine dauerhafte politische Lösung für diesen Krieg ist äußerst unwahrscheinlich.
Der Grund dafür ist einfach: Das afghanisch-pakistanische Sicherheitsdilemma hat wohl mittlerweile einen Punkt überschritten, an dem die diametral entgegengesetzten Forderungen beider Seiten in drei miteinander verknüpften Fragen nicht mehr auf diplomatischem Wege, sondern nur noch mit militärischer Gewalt gelöst werden können. Diese Fragen sind Afghanistans Weigerung, die Durand-Linie anzuerkennen, Afghanistans Unterstützung von Gruppen, die von Islamabad als Terroristen eingestuft werden, sowie Pakistans Status als „wichtiger Nicht-NATO-Verbündeter“ der USA. Sie werden nun kurz zusammengefasst, um nicht informierte Leser aufzuklären.
Was die Durand-Linie betrifft, so handelt es sich hierbei um die von den Briten festgelegte Grenze zwischen Afghanistan und dem Britisch-Indischen Reich, die die Paschtunen trennte, von denen die meisten im heutigen Pakistan leben, aber in Afghanistan die größte Bevölkerungsgruppe bilden. Pakistan beharrt darauf, dass dies die internationale Grenze ist, während Afghanistan seit Jahrzehnten darauf drängt, sie neu zu ziehen. Die historischen Machtungleichgewichte zwischen den beiden Ländern, insbesondere heute, münden in Afghanistans Unterstützung von Islamabad als terroristisch eingestuften Gruppen wie der TTP und der BLA.
Die eine Gruppe besteht aus fundamentalistischen Paschtunen, die andere aus separatistischen Belutschen, von denen vermutet wird, dass sie sich untereinander abstimmen, obwohl sie erhebliche Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Ausbreitung der Paschtunen aus ihrem Heimatgebiet in Pakistan nach Belutschistan haben. Aus afghanischer Sicht ist die Unterstützung dieser Gruppen der einzige Weg, um das militärische Ungleichgewicht mit Pakistan auszugleichen, doch dies rechtfertigt nicht ihre Terroranschläge. Diese beiden Themen – die Durand-Linie und Afghanistans nichtstaatliche Verbündete – dienen zudem dazu, Pakistan hinsichtlich seiner Beziehungen zu den USA unter Druck zu setzen.
Pakistan beharrt darauf, dass es frei ist, Partnerschaften mit wem auch immer es will einzugehen, doch Afghanistan betrachtet dies sowohl unter seinen ehemaligen kommunistischen Herrschern als auch nun unter den zweiten Taliban-Herrschern als eine anhaltende Bedrohung seiner Souveränität. Der von den USA unterstützte postmodernePutsch gegen den ehemaligen pakistanischen Premierminister Imran Khan im April 2022, die Unterwürfigkeit der neuen De-facto-Militärdiktatur gegenüber Trump und dessen wiederholte Forderung nach einer Rückkehr der US-Truppen auf den Luftwaffenstützpunkt Bagram (was realistisch gesehen nur mit Pakistans Komplizenschaft geschehen kann) verstärken diese Sichtweise.
Das daraus resultierende afghanisch-pakistanische Sicherheitsdilemma kann realistisch gesehen nur mit militärischer Gewalt gelöst werden. Die wahrscheinlichsten Ergebnisse sind, dass Pakistan den Krieg beendet, sobald es mit der Anzahl der zerstörten Ziele zufrieden ist, und/oder dass es eine Pufferzone jenseits der Durand-Linie schafft (die entweder entmilitarisiert und möglicherweise Strafschlägen ausgesetzt ist und/oder von verbündeten Milizen kontrolliert wird). Die Taliban werden wahrscheinlich weder entthront werden, noch werden sie ihre Gebietsansprüche aufgeben, sodass eine solche Lösung nicht von Dauer wäre.
Darin liegt der Kern ihres Sicherheitsdilemmas, da sich keiner dem anderen unterwerfen will, Afghanistan nicht in der Lage ist, Pakistan zu erobern, und Pakistan die enormen Kosten nicht akzeptieren wird, die ein Sturz der Taliban und eine unbefristete Besetzung Afghanistans mit sich bringen würden. Das Äußerste, was Pakistan tun kann, ist zu versuchen, Trump dazu zu manipulieren, die Taliban zu bombardieren, sobald der Angriffskrieg gegen den Iran beendet ist, möglicherweise mit dem Argument, dass dies der einzige Weg sei, nach Bagram zurückzukehren; Doch dem wird er womöglich nicht zustimmen, sodass dieses Sicherheitsdilemma auf unbestimmte Zeit andauern könnte.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.
Am Montagmorgen erklärte US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social, dass die Vereinigten Staaten und der Iran „Gespräche über eine vollständige und umfassende Beilegung unserer Feindseligkeiten im Nahen Osten“ geführt hätten. Er sagte, er habe „das Kriegsministerium angewiesen, alle militärischen Angriffe auf iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur für einen Zeitraum von fünf Tagen zu verschieben“.
Nur zwei Tage zuvor hatte Trump gedroht, die iranischen Kraftwerke zu zerstören, sollte das Land die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden wieder öffnen.
Trump sagte, er verschiebe einen Angriff um nur fünf Tage. Dies steht in völligem Widerspruch zu der Behauptung, dass große Fortschritte in Richtung einer Verhandlungslösung erzielt worden seien. Es bedeutet vielmehr, dass Trump im Rahmen von Ultimaten agiert. Niemand würde erwarten, dass dieser Krieg innerhalb von fünf Tagen beigelegt werden könnte – selbst wenn Verhandlungen äußerst gut verliefen. Bestenfalls wäre es möglich, die Aussicht auf einen unbefristeten Waffenstillstand aufrechtzuerhalten, um Gespräche fortzusetzen. Nichts dergleichen wurde von Trump angedeutet. Die ganze Geschichte ist nicht einfach nur unglaubwürdig. Sie ist unheilvoll und lässt nichts Gutes ahnen.
Trump hat „Verhandlungen“ im vergangenen Jahr dreimal als Vorwand für Militärschläge benutzt. Im Januar deuteten US-Vertreter an, sie strebten Verhandlungen mit dem venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro an – nur wenige Stunden vor dem Überfall, bei dem dieser von US-Spezialeinheiten entführt wurde. Im Juni 2025, während indirekte Gespräche mit dem Iran im Gange waren, griffen sieben B-2-Bomber im Rahmen der Operation Midnight Hammer iranische Nuklearanlagen an. Am 28. Februar ermordeten die USA den obersten Führer des Iran und begannen den aktuellen Krieg, während Unterhändler in Genf Gespräche führten, die erst zwei Tage zuvor abgeschlossen worden waren. Jedes Mal sprach Trump von Frieden, während er einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg plante.
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Gespräche in irgendeiner Form stattfinden. Aber wenn Gespräche stattgefunden hätten, wären sie mit denselben Personen geführt worden, denen Trump öffentlich mit Mord droht oder die er bereits zu ermorden versucht hat. Gegenüber der Presse prahlte Trump am Montag: „Wir haben die Führung in Reihe eins, Reihe zwei und weitgehend auch Reihe drei ausgelöscht.“
„Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen.“ Mit diesem berühmt-berüchtigten Satz rechtfertigte Adolf Hitler am 1. September 1939 den deutschen Überfall auf Polen. Hitlers SS hatte vorher einen polnischen Angriff auf den Sender Gleiwitz in Schlesien vorgetäuscht, um die Offensive der Wehrmacht als Akt der Verteidigung darzustellen.
Tatsächlich schossen die Deutschen nicht zurück. Sie begannen einen minutiös vorbereiteten Vernichtungsfeldzug, in dessen Verlauf sechs Millionen Polen, 28 Millionen Sowjetbürger und zig Millionen weitere Menschen den Tod fanden. Die Vernichtungsorgie gipfelte in der systematischen Ermordung von sechs Millionen Juden.
Die „G7-Erklärung zur Unterstützung von Partnern im Nahen Osten“, die die Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Japans, Kanadas, des Vereinigten Königreichs, der Europäischen Union und der USA am 22. März verabschiedet haben, erinnert an die plumpen Lügen Hitlers. Sie markiert die endgültige Verabschiedung der europäischen imperialistischen Mächte vom Völkerrecht zugunsten des Prinzips „Macht geht vor Recht“.
Die Erklärung beweist, dass nicht nur die USA unter Trump eine Politik der hemmungslosen imperialistischen Gewalt verfolgen, sondern auch Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Kanada und Japan. Sie berufen sich nur dann auf das Völkerrecht, wenn Trump – wie in Grönland – ihre eigenen Interessen verletzt, oder wenn sie damit den Krieg gegen Russland in der Ukraine rechtfertigen.
Drei Wochen nach dem US-israelischen Angriff auf den Iran – nach der Bombardierung von 8000 Zielen, nach der Tötung von mindestens 1300 Zivilisten, nach der gezielten Ermordung der Staatsführung, nach Drohungen, das ganze Land ins Mittelalter zurückzubomben – haben die G7 eine Erklärung verabschiedet, die das Opfer zum Aggressor erklärt.
Sie verurteilen die „nicht zu rechtfertigenden Angriffe der Islamischen Republik Iran und ihrer Stellvertreter“ und fordern „die umgehende und bedingungslose Einstellung aller Angriffe des iranischen Regimes“ – nicht aber der Angriffe der USA und Israels, die in der Erklärung überhaupt nicht erwähnt werden.
Die Außenminister unterstützen ausdrücklich die Kriegsziele und die Kriegspropaganda der USA: „Die G7 hat wiederholt erklärt, dass Iran niemals Kernwaffen erlangen darf und sein Programm für ballistische Flugkörper einstellen, seine destabilisierenden Aktivitäten in der Region und weltweit beenden und die entsetzliche Gewalt gegen die eigene Bevölkerung sowie deren Unterdrückung stoppen muss.“
Die Außenminister von Aserbaidschan, Bahrain, Ägypten, Jordanien, Kuwait, dem Libanon, Pakistan, Katar, Saudi-Arabien, Syrien, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten trafen sich am 18. März in Riad zu einem Gipfeltreffen. Die Konferenz mit der Bezeichnung „Beratendes Treffen der Außenminister einer Gruppe arabischer und islamischer Staaten zur iranischen Aggression“ wies die ganze Verantwortung dem Iran zu, den die USA und Israel völkerrechtswidrig angreifen.
In der Abschlusserklärung des Treffens „bekräftigten“ die Minister, dass sie die Angriffe des Irans auf US-Ziele in arabischen Ländern, die im Rahmen des Rechts auf Selbstverteidigung erfolgen, „verurteilen und missbilligen“. Sie erklärten: „Solche Angriffe sind unter keinem Vorwand und in keiner Weise zu rechtfertigen.“
Weiter forderten sie den Iran unter Verdrehung der Wahrheit auf, „internationale Gesetze, das humanitäre Völkerrecht und die Prinzipien guter Nachbarschaft“ zu respektieren und die „Eskalation“ zu beenden. Mit der Erklärung, ihre Länder seien bereit, die „notwendigen legitimen Maßnahmen zu ergreifen (…) um die abscheulichen Angriffe des Iran auf ihr Staatsgebiet zu beenden“, signalisierten die Minister ihre Absicht, sich am Krieg gegen den Iran zu beteiligen.
Diese beschämende Erklärung belegt den reaktionären Charakter der proimperialistischen Regime in der gesamten Region. Sie verzichtet nicht nur darauf, den völkerrechtswidrigen und unprovozierten imperialistischen Krieg der USA und Israels gegen den Iran zu verurteilen. Sie nennt nicht einmal den Aggressor beim Namen und gibt stattdessen dem Iran die ganze Schuld. Damit liefert sie eine politische Rechtfertigung und aktive Unterstützung für die Trump-Regierung, die auf verbrecherische Weise mit der Zerstörung der iranischen Infrastruktur droht und eine Bodenoffensive vorbereitet. Als Vorwand dient die Blockade der Straße von Hormus.
Diese Regime haben den USA erlaubt, ihre Militärstützpunkte und ihren Luftraum zu nutzen. Damit haben sie Beihilfe bei der Ermordung von Dutzenden hochrangiger iranischer Regierungsvertreter geleistet, die Bombardierung ziviler Infrastruktur wie Krankenhäuser und Schulen unterstützt und zum Töten von mehr als 1.000 Zivilisten, darunter mindestens 210 Kinder, beigetragen.
Mit der Unterzeichnung dieser Erklärung beweist Ankara seine Unterstützung für den Krieg und seine Vasallentreue gegenüber dem US-Imperialismus. Doch die Kluft zwischen der Regierung und der Stimmung in der Bevölkerung ist so tief, dass das türkische Außenministerium die Erklärung bisher noch nicht auf seiner türkischsprachigen Website oder seinen Social-Media-Accounts veröffentlichen konnte.
Fortschrittsmeldung 2025: Die Ambitionen der EU nehmen durch PESCO Gestalt an. Das Bild stammt von der Website www.pesco.europa.eu
Was niemand sehen soll. Man kann keine Armee bauen, ohne dass es jemand merkt – außer, man nennt sie anders. Dieses heimliche Vorgehen der kriegsbegeisterten EU ist absolut inakzeptabel! (cm)
Seit Jahren entsteht in Europa eine militärische Struktur, die alles hat, was eine Armee braucht: eine Kommandostruktur, gemeinsame Truppenübungen, eine einheitliche Ausrüstungslogik, eine zentrale Mobilitätsplanung und ein strategisches Ziel. Nur eines fehlt: die offizielle Bezeichnung „Armee“.
Die Rede ist von PESCO – der „Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit“ der Europäischen Union. Ein harmloser Name, technokratisch, sperrig, unverdächtig. Doch unter dieser Fassade verbirgt sich nichts Geringeres als die schrittweise Entstehung einer EU-Streitmacht, einsatzbereit innerhalb von Tagen, strukturell unabhängig von der NATO, aber vollständig militärisch integrierbar.
Während die Öffentlichkeit sich mit Haushaltsdebatten, Klimaauflagen und Identitätspolitik beschäftigt, wächst im Schatten ein System heran, das im Ernstfall über den Frieden oder Krieg auf dem Kontinent mitentscheiden wird – ohne je durch ein Parlament oder eine Volksabstimmung legitimiert worden zu sein.
In diesem Artikel legen wir offen, was PESCO wirklich ist, warum es kaum jemand kennt, wie es aufgebaut wurde – und warum alles darauf hindeutet, dass es nie um Kooperation, sondern immer um Vorbereitung ging. Auf was? Das wird sich zeigen. Vielleicht bald. Die Geburt im Schatten – wie PESCO 2017 entstanden ist Um zu verstehen, warum PESCO 2017 gegründet wurde, muss man drei Jahre zurückgehen.
Im Jahr 2014 stürzte in der Ukraine ein prowestlicher Aufstand die Regierung. Die USA hatten seit der ukrainischen Unabhängigkeit 1991 über 5 Milliarden Dollar in Programme zur Demokratieförderung investiert – wie Victoria Nuland im Dezember 2013 vor dem US-Senat bestätigte. Diese langfristige Investition trug zur politischen Transformation bei, die im Februar 2014 im Sturz der Regierung Janukowitsch mündete. Was folgte, war nicht nur die Spaltung des Landes, sondern der Beginn einer geopolitischen Neuordnung: Der Westen rückte näher an Russlands Grenze. Russland reagierte mit der Eingliederung der Krim. Und Europa stand plötzlich vor der Frage: Wie sicher sind wir eigentlich?
Der militärische und diplomatische Bruch mit Moskau war damit vollzogen – und auf europäischer Seite begann ein leiser, aber folgenreicher Wandel: Die Erkenntnis, dass Sicherheitspolitik nicht mehr delegiert werden kann. Dass die NATO zwar militärisch stark ist, aber eben nicht europäisch kontrolliert wird. Dass Europa handlungsfähig werden muss – notfalls auch ohne Washington.
Von Peter F. Mayer und Jochen Mitschka – 24. März 2026
Gestern hatte der US-Präsident Donald Trump versucht, die Ölpreise zu senken, indem er behauptete, in Verhandlungen mit dem Iran große Fortschritte gemacht zu haben, was aber nach einem Dementi aus Teheran nur kurzzeitig gewirkt hatte, ebenso wie der Höhenflug der Börsen. Trotzdem hatte man gehofft, die Bombardierungen würden abflachen, aber die Nacht war wieder erfüllt von Raketenangriffen beider Seiten.
Al Jazeera English aus Katar meldete Raketenstarts aus dem Iran, die zu Sirenenalarmen in Tel Aviv und im zentralen Israel führten. Kurz darauf gab es Berichte über Raketeneinschläge im Süden Israels, woraufhin das israelische Militär Such- und Rettungskräfte in mehreren Gebieten einsetzte. Die Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Kinder im Iran stieg laut iranischen Behörden auf 208. Press TV aus Iran berichtete von direkten iranischen Raketenangriffen auf Haifa sowie von den Folgen weiterer Einschläge im nördlichen besetzten Palästina. TRT World aus der Türkei dokumentierte eine frische Welle von Explosionen in der iranischen Hauptstadt Teheran.
Zusätzlich führte ein israelischer Angriff auf ein Wohngebäude nahe Beirut im Libanon zu mindestens zwei Toten und fünf Verletzten; der Angriff auf zivile Wohngebiete ereignete sich im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Iran, in dessen Schatten Israel ca. zum vierten Mal versucht, den Süden des Libanon zu besetzen.
Diplomatisch äußerte der südkoreanische Außenminister Cho Hyun gegenüber seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghchi tiefe Besorgnis über den Krieg und dessen Auswirkungen auf die globale Wirtschaft. Hatten die USA die letzte Annäherung zwischen Nord- und Südkorea unterminiert, wurden Vermutungen laut, dass nun ein erneuter Versucht gemacht werden könnte, da die USA durch den Krieg im Nahen Osten abgelenkt werden.
07 Uhr 00
Die gestern Abend geäußerten Hoffnungen auf eine beginnende Deeskalation haben sich leider nicht erfüllt.
Laut iranischen Medienberichten trafen US-amerikanisch-israelische Luftangriffe Energieanlagen in den iranischen Städten Isfahan und Khorramshahr. Zu den Zielen gehörten ein Gebäude der Gasverwaltung, eine Druckstation und eine Pipeline; es wurden keine Opfer gemeldet.
Die Angriffe fanden statt, obwohl Trump erklärt hatte, er habe die Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur nach Gesprächen mit Teheran um fünf Tage verschoben.
Die Vereinigten Staaten haben dem Iran zudem über Vermittler eine Botschaft übermittelt, und der Iran gibt an, diese Vorschläge derzeit zu prüfen – CBS-News
Hier sind einige der neuesten wichtigen Entwicklungen im Iran-Krieg:
Der Iran hat am Dienstag eine neue Raketenwelle gegen Israel abgefeuert, nur wenige Stunden nachdem US-Präsident Donald Trump die Gespräche zur Beendigung des Krieges als „sehr gut“ bezeichnet hatte, obwohl Teheran bestritt, dass überhaupt ein Dialog stattgefunden habe.
Israel griff über Nacht sieben Gebiete in den südlichen Vororten von Beirut an, berichteten libanesische Staatsmedien am Dienstag.
Al Jazeera Arabic berichtet, dass in Bechamoun, einer Stadt südlich der libanesischen Hauptstadt Beirut, mindestens zwei Menschen getötet und fünf weitere verletzt wurden.
Die USA werden ihre Angriffe auf den Iran fortsetzen, wobei die Pause nur für Angriffe auf Teherans Energieanlagen gilt, berichtete Semafor am Montag unter Berufung auf einen US-Beamten.
Luftangriffe auf eine Anlage der irakischen Volksmobilisierungskräfte in der westlichen Provinz Anbar töteten mindestens 10 Kämpfer, darunter den Einsatzleiter in Anbar, und verwundeten 30 weitere, berichtete Reuters.
Israelische Siedler haben in der besetzten Westbank die dritte Nacht in Folge zugeschlagen und Fahrzeuge in der Nähe des Militärkontrollpunkts Zaatara südlich von Nablus angegriffen, wie die Nachrichtenagentur Wafa berichtete.
Saudi-Arabien gab an, während mehrstündiger Angriffe in der Nacht im Osten des Landes eine Welle von mehr als 20 Drohnen abgefangen zu haben, während Kuwait auf Drohnen- und Raketenangriffe reagierte. In Bahrain wurden Sirenen ausgelöst.
Der weltweite Flugverkehr ist weiterhin stark beeinträchtigt, nachdem der Krieg im Iran die Schließung wichtiger Drehkreuze im Nahen Osten, darunter Dubai, Doha und Abu Dhabi, erzwungen und Zehntausende Passagiere gestrandet hat.
07 Uhr 30: Iran gibt an, dass 208 Kinder durch US-amerikanisch-israelische Angriffe getötet wurden
Die Zahl der Kinder, die seit Kriegsbeginn am 28. Februar im Iran getötet wurden, ist auf 208 gestiegen, teilte der Leiter des Rettungsdienstes in einer Videoerklärung im staatlichen iranischen Rundfunk mit. Jafar Miadfar sagte, 168 dieser Kinder seien bei den US-Luftangriffen auf die Mädchenschule in der Stadt Minab zu Beginn des Krieges getötet worden. Dreizehn der getöteten Kinder waren jünger als fünf Jahre, darunter ein drei Tage altes Neugeborenes.
Nach Angaben der iranischen Regierung wurden bisher landesweit mehr als 1.500 Zivilisten getötet. Miadfar sagte außerdem, dass während des Krieges rund 318 Einrichtungen der Gesundheitsinfrastruktur beschädigt worden seien, darunter 49 Notfallstationen, 186 Gesundheitszentren und 40 Krankenhäuser. Etwa 12 der beschädigten Krankenhäuser seien derzeit außer Betrieb.
Die Straße von Hormus ist nicht geschlossen. Sie ist aber auch nicht länger offen für den freien Verkehr. Es ist etwas, das die Welt bisher nur von westlichen Kolonialländern gesehen hat: ein von den Islamischen Revolutionsgarden betriebener, genehmigter Korridor, dessen Gebühr 2 Millionen US-Dollar pro Schiff beträgt, zahlbar in Yuan.
Drei Schiffe passierten die Straße in 24 Stunden. Vor dem Krieg lag der Durchschnitt bei 138 Schiffen pro Tag. Der Gesamtdurchsatz: 310.000 Tonnen Tragfähigkeit. Vierhundert Schiffe warten derzeit vor der Straße. Einhundertfünfzig Tanker. Einhundertzwanzig Massengutfrachter. Einhundertdreißig weitere (Stand 24. März am Morgen). Sie warten auf die Genehmigung der Marine der Revolutionsgarden, in einen 5 Seemeilen breiten Kanal zwischen den Inseln Larak und Qeshm innerhalb iranischer Hoheitsgewässer einzufahren, und auf die Bereitschaft der Eigentümer, das neue Verfahren zu akzeptieren.
Das Genehmigungsverfahren
So funktioniert die Genehmigung: Ein Schiffsbetreiber kontaktiert autorisierte Vermittler mit Verbindungen zu den Revolutionsgarden und reicht alle erforderlichen Dokumente ein: IMO-Nummer, Eigentumsnachweis, Ladungsmanifest, Zielort, Besatzungsliste. Die Vermittler leiten das Paket an das Marinekommando der Revolutionsgarden (IRGC) in Hormozgan weiter. Dort erfolgt eine Sanktionsprüfung, eine Überprüfung der Ladungsorganisation (wobei Öl Vorrang vor allen anderen Gütern hat) und eine geopolitische Überprüfung. Die Gebühr beträgt etwa 2 Millionen US-Dollar pro Tanker. Für einen VLCC mit 2 Millionen Barrel Ladung entspricht das 1 US-Dollar pro Barrel. Bevorzugte Währung: Yuan. Passiert das Schiff die Straße, erteilt die IRGC einen Freigabecode und Routenanweisungen. Bei Annäherung erfolgt Funkkontakt, AIS-Verifizierung und Patrouillenbooteskorte. Nur ein Schiff gleichzeitig. Durch die engste Fahrrinne der wichtigsten Wasserstraße der Welt.
Die USA werden den Dritten Golfkrieg verloren haben, sollte China weiterhin auf den Iran als zuverlässigen, kostengünstigen Energielieferanten zählen und gleichzeitig den Yuan zu einer globalen Reservewährung machen können, die in Konkurrenz zum Petrodollar tritt.
Trump gab am Montag bekannt, dass er die Frist für den Iran zur Wiederöffnung der Straße von Hormus – unter Androhung der Zerstörung seiner Energieinfrastruktur – bis Freitag verlängert habe; diese Frist sollte eigentlich am selben Tag ablaufen, wurde aber aufgrund angeblich fruchtbarer Gespräche mit nicht namentlich genannten Mitgliedern der iranischen Führung verlängert. Er erklärte zudem, dass die Wasserstraße nach Beendigung des Konflikts im Rahmen eines Abkommens gemeinsam von ihm und dem Ayatollah kontrolliert werden solle. Der Iran bestritt, dass überhaupt Gespräche stattgefunden hätten, selbst indirekt über Vermittlung, sodass unklar ist, ob dies überhaupt geschehen ist.
Am Tag vor Trumps Ankündigung kam The Economist zu dem Schluss, dass „Donald Trump vier schlechte Optionen für den Krieg im Iran hat“: reden, abziehen, weitermachen oder eskalieren. Hier wurde jedoch argumentiert, dass „aus der Perspektive der Interessen von Trump 2.0 Gespräche und eine Eskalation die relativ am wenigsten schlechten Optionen sind – erstere, wenn man seine Interessen für bare Münze nimmt, und letztere, wenn hintergründige Absichten im Spiel sind“. Es geht darum, entweder die Weltordnung aufrechtzuerhalten oder sie durch die wahrscheinliche Zerstörung der gesamten Energieinfrastruktur am Golf radikal zu verändern.
Trump 2.0 könnte sich für die erste Option entscheiden, aus Angst vor den möglichen Gegenreaktionen, die auf die zweite folgen könnten – auch wenn es einige Zeit dauern würde, bis diese eintreten –, doch es gibt zwei US-Ziele, die in jedem Fall erreicht werden müssen, da es sonst nahezu unmöglich wäre, den Ausgang überzeugend als Sieg darzustellen. Diese sind die Erlangung der indirekten Kontrolle über die iranischen Energieexporte, um entweder China von den 13,4 Prozent seiner Ölimporte auf dem Seeweg (laut Statistiken des letzten Jahres) abzuschneiden oder dies als Druckmittel einzusetzen, sowie die Vereitelung des Petroyuan-Vorschlags, den der Iran kürzlich ins Spiel gebracht hat.
Der Iran könnte sein Raketenprogramm nach der Auffüllung eines Teils seiner Bestände einfrieren und später begrenzen sowie sein gesamtes hochangereichertes Uran an Russland abgeben; doch wenn China weiterhin auf den Iran als zuverlässigen, kostengünstigen Energielieferanten zählen kann, während es den Yuan zu einer globalen Reservewährung macht, hätten die USA verloren. Sollte der Iran den oben genannten Forderungen der USA, die im Grunde auf eine Nachahmung des venezolanischen Modells der „Regime-Anpassung“ (möglicherweise mit dem Parlamentspräsidenten) hinauslaufen, weiterhin nicht zustiommen, könnten die USA versuchen, die Insel Kharg zu erobern.
Die New York Times berichtete kürzlich darüber, wie sich dies entwickeln könnte, nämlich durch die 82. Luftlandedivision der Armee und/oder die 31. Marine Expeditionary Unit; doch wäre dies das ultimative Risiko, sollte sich Trump 2.0 dazu entschließen, da enorm viel auf dem Spiel steht und potenziell katastrophale Folgen drohen. Einerseits könnten die USA, falls sie Kharg erobern und die Kontrolle darüber behalten, ohne dass der Iran den Standort zerstört, von dem aus der überwiegende Teil seines Öls exportiert wird, diesen als Druckmittel in Verhandlungen nutzen.
So könnte Kharg beispielsweise gemeinsam verwaltet oder (wenn auch erst später) an den Iran zurückgegeben werden, im Austausch dafür, dass dieser Russland sein gesamtes hochangereichertes Uran übergibt, sich bereiterklärt, keine Energie mehr an China zu verkaufen, und seinen Petroyuan-Vorschlag fallen lässt. Eine Lockerung der Sanktionen könnte als eine Form der Wiedergutmachung folgen, wenn auch zunächst nur schrittweise, ebenso wie eine Aufteilung der Steuern auf den Transit durch die gemeinsam von den USA und dem Iran kontrollierte Meerenge. Sollte der Iran Kharg aus Rache zerstören, werden die USA den Rest seiner Energieinfrastruktur vernichten, und der Iran wird die des Golfs zerstören.
Die USA könnten sich vor dem globalen Chaos abschotten, indem sie sich in die westliche Hemisphäre zurückziehen, die sie nach dem Erfolg ihrer „Fortress America“-Strategie in den letzten 15 Monaten nun weitgehend beherrschen, während ihr systemischer Rivale China und alle anderen Akteure in der östlichen Hemisphäre – mit Ausnahme Russlands – darunter litten. Die unmittelbarste Folge für die USA wären die verlorenen Leben ihrer Soldaten, doch die Welt würde sich für immer radikal verändern.
Eine solche unheilvolle Entwicklung könnte in Gang gesetzt werden, sollten die USA das ultimative Risiko eingehen und versuchen, die Insel Kharg zu erobern, und der Iran entsprechend zurückschlagen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.
Der Iran-Krieg droht in vielen Ländern Asiens zu akutem wirtschaftlichen Stillstand zu führen und einen Rekordanstieg der Zahl der Menschen auszulösen, die Hunger leiden. Berlin, mit den Aggressoren verbündet, ignoriert die Notlage.
Der von den USA und Israel, zwei engen Verbündeten der Bundesrepublik, losgetretene Angriffskrieg gegen Iran belastet zahlreiche Länder Asiens wegen der weitgehenden Unterbrechung der Treibstofflieferungen durch die Straße von Hormus schwer. Zu den am stärksten betroffenen Ländern gehört Indien, das in hohem Maße von Öl- und Gaslieferungen aus der Golfregion abhängig ist. Dort sind – von kleinen Restaurants bis hin zu Betrieben des größten Metallkonzerns im Land – Unternehmen aller Art von Betriebsstillständen bedroht. In Pakistan und Bangladesch mussten Maßnahmen zur Senkung des Treibstoffverbrauchs angekündigt werden, darunter die Schließung von Präsenzschulen und Universitäten. Auch Indonesien hat Sparmaßnahmen in allen Regierungsbehörden bekanntgegeben. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen warnt vor einer sich verschärfenden Hungerkrise, durch die die Zahl der Hungerleidenden weltweit um 45 Millionen steigen könnte. Aktuell zeichnet sich aufgrund der Genehmigung Irans für Schiffe nicht feindlicher Länder zur Durchfahrt durch die Straße von Hormuz ein wenig Erleichterung ab. Berlin, mit den Aggressoren verbündet, kümmert sich nicht um die Notlage in Süd- und Südostasien.
Firmen dichtgemacht
In Indien stehen Betriebe in verschiedenen Branchen vor der Schließung, da das Land in puncto Energiebedarf stark von Öl- und Gaslieferungen von der Arabischen Halbinsel abhängig ist. Es importierte vor dem Beginn des Iran-Kriegs etwa 40 bis 50 Prozent seines Rohöls, 50 bis 60 Prozent seines Flüssiggases (Liquefied Natural Gas, LNG) und etwa 80 bis 85 Prozent seines Brenngases durch die Straße von Hormuz. Nun drohen zum Beispiel Restaurants in ganz Indien dichtzumachen, da die meisten nur noch Gasvorräte zum Kochen für maximal zwei Tage vorrätig haben. Die Lagerbestände der Raffinerien und Händler reichen Schätzungen zufolge lediglich für etwa zwei bis drei Wochen aus.[1] Laut dem Präsidenten der Indian Hotels and Restaurants Association, Vijay Shetty, haben rund 20 Prozent aller Restaurants und Hotels in Mumbai bereits in den ersten zwei Wochen des Iran-Kriegs vorübergehend ihre Tätigkeit gestoppt. Im Distrikt Mobi in Gujarat haben wiederum rund 100 Keramikfabriken schon in den ersten Kriegstagen aufgrund des Mangels an Propangas den Betrieb eingestellt, während weitere 400 das gleiche Schicksal erwartet.[2] Die zunehmende Gasknappheit beeinträchtigt auch den Betrieb des führenden indischen Metallkonzerns JSW Group; einem seiner Stahlwerke droht in den kommenden Tagen die Schließung.[3]
Der Iran-Krieg läuft für die USA nicht gut, aber Trump hat trotzdem ein wichtiges ein Ziel erreicht. Nach der Ausschaltung wichtiger LNG-Anlagen in Katar werden die USA in den nächsten Jahren den globalen LNG-Markt dominieren und einen nie dagewesenen Druck und Einfluss auf die Volkswirtschaften anderer Länder ausüben können.
Als die USA Ende letzten Jahres ihre neue Nationale Sicherheitsstrategie veröffentlicht haben, da habe ich mit meiner ersten Analyse ziemlich ins Schwarze getroffen. In der Sicherheitsstrategie ist Asien – nach den amerikanischen Kontinenten – die für Trump wichtigste Region der Welt und das wichtigste Land ist natürlich China, das die USA als ihren wichtigsten Konkurrenten ansehen.
Trumps Sicherheitsstrategie
Allerdings will Trump keinen Krieg mit China, wie ihn viele Falken in Washington erträumen, sondern in seiner Sicherheitsstrategie hat Trump geschrieben, die Indo-Pazifik-Region werde eines der zentralen „geopolitischen Schlachtfelder“, denn sie „trägt bereits fast die Hälfte zum globalen BIP bei (…) und dieser Anteil wird im Laufe des 21. Jahrhunderts zweifellos weiter steigen“. Man habe China zu stark werden lassen und müsse seine Politik ändern, denn China stelle eine wirtschaftliche Herausforderung dar, aber ein Krieg müsse verhindert werden. Die neue Strategie betrachtet China daher in erster Linie als wirtschaftliche Herausforderung und bekräftigt, dass Washington „die Wirtschaftsbeziehungen zur Volksrepublik China neu ausrichten und Gegenseitigkeit und Fairness priorisieren wird, um die amerikanische wirtschaftliche Unabhängigkeit wiederherzustellen“.
Mit anderen Worten: China wirtschaftlich zu besiegen ist eine von Trumps wichtigsten Prioritäten in der Außenpolitik. Und im Januar habe ich in einer weiteren Analyse erklärt, dass Trump die Weltherrschaft der USA über die Dominanz auf den weltweiten Energiemärkte wiederherstellen will.
Jetzt muss man nur noch eins und eins zusammenzählen und man versteht, dass Trump mit dem Iran-Krieg versucht, genau das zu erreichen. Der Krieg läuft für die USA ganz und gar nicht nach Plan, aber Trump scheint sein wichtigstes Ziel, nämlich die Dominanz über die LNG- und Ölmärkte zu gewinnen und China mit den Folgen des Krieges zu schwächen, schon so gut wie erreicht zu haben.
Die Dominanz auf dem LNG-Markt
Vor dem Iran-Krieg waren die Top-5 der LNG-Produzenten: Die USA (102 Mio. Tonnen pro Jahr), Australien (82 Mio. Tonnen), Katar (77 Mio. Tonnen), Russland (37 Mio. Tonnen) und Malaysia (32 Mio. Tonnen). Die USA Australien und Katar haben damit 60 Prozent des weltweiten LNG produziert.
Wenn Katar komplett ausfällt, dann fallen etwa 18 Prozent des weltweiten LNG weg. Entsprechend wächst die Marktmacht der anderen großen Player USA und Australien, wobei Australien bekanntlich ein loyaler Vasall der USA ist. Und diese beiden Länder zusammen würden dann die Hälfte des weltweiten LNG liefern, was eine wohl nie dagewesene Marktmacht darstellt.
China hat seine Öl- und Gasimporte zwar breit diversifiziert, aber trotzdem kommt ein beachtlicher Teil des Öls und Gases für China aus den Golfstaaten. Vor allem Katar ist als Lieferant von Flüssiggas (LNG) sehr wichtig. Aber nachdem in dem Krieg LNG-Anlagen in Katar schwer getroffen wurden, ist bereits klar, dass Katar auf Jahre hinaus weitaus weniger LNG liefern können wird, als vor dem Krieg, denn die Reparatur der Schäden wird laut Experten bis zu fünf Jahre dauern.