Bombardierung Teherans durch US-amerikanische und israelische Streitkräfte, 4. März 2026
Wie die Washington Post am Mittwoch berichtete, hat die Trump-Regierung mehr als 200 Milliarden Dollar zur Finanzierung des Krieges gegen den Iran beantragt.
Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag fragte ein Reporter Verteidigungsminister Pete Hegseth: „Warum ist ein so großes Paket notwendig?“ Hegseth bestätigte nicht nur die Zahl von 200 Milliarden Dollar, sondern deutete auch an, dass sie noch steigen könnte. „Ich denke, diese Summe könnte sich noch ändern“, sagte Hegseth. „Es kostet Geld, Bösewichte zu töten. Deshalb wenden wir uns erneut an den Kongress, um sicherzustellen, dass wir für das, was schon getan wurde, und für das, was wir in Zukunft möglicherweise noch tun müssen, angemessen finanziert sind.“
Und was genau sind diese nicht näher bezeichneten Aktivitäten, die die Regierung „möglicherweise noch tun“ muss?
Im Jahr 2003, als 150.000 amerikanische Soldaten in den Irak einmarschierten und das Land besetzten, bewilligte der Kongress 51 Milliarden Dollar – ein Viertel dessen, was die Trump-Regierung beantragt, ehe auch nur ein einziger Bodensoldat den Iran betreten hat. Auf dem Höhepunkt der Truppenverstärkung 2007–2008, als fast 170.000 amerikanische Soldaten das Land besetzten, kostete der Irak-Krieg etwa 144 Milliarden Dollar pro Jahr.
In Wirklichkeit geht es bei den 200 Milliarden Dollar nicht um „das, was wir in Zukunft möglicherweise noch tun müssen“, sondern um das, was das Weiße Haus derzeit aktiv plant. Der Haushaltsantrag kommt zu einem Zeitpunkt, da die Regierung eine Bodeninvasion im Iran vorbereitet und 5.000 Marines vom Pazifik in den Nahen Osten verlegt, während das Wall Street Journal und führende Republikaner die Eroberung der Insel Kharg und der Straße von Hormus fordern.
Reuters berichtete am Mittwoch, dass die Trump-Regierung die Entsendung von Bodentruppen zur Einnahme der Insel Kharg, dem Dreh- und Angelpunkt für 90 Prozent der iranischen Ölexporte, erörtert und separat die Stationierung von US-Streitkräften zur Sicherung der iranischen Bestände an hochangereichertem Uran diskutiert habe. Es handelt sich um operative Pläne für eine Invasion und Besetzung iranischen Territoriums. Und diese Pläne erklären, warum die Regierung mehr Geld fordert, als für jedes einzelne Jahr des Irak-Kriegs bewilligt wurde.
Während ein NATO-Beitritt der Ukraine als rote Linie gilt, wird die EU-Aufnahme als humanitärer Akt dargestellt. Dabei schafft sie einen juristischen Mechanismus, der Europa in einen direkten militärischen Konflikt mit Russland ziehen könnte – mit weitreichenden ökonomischen und sicherheitspolitischen Folgen.
So sieht die landwirtschaftliche Monokultur aus, wenn internationale Agrarkonzerne das Land übernommen haben. Nach internationalen Schätzungen gehören von den ukrainischen Landwirtschaftsflächen bereits 28 Prozent ukrainischen Oligarchen oder internationalen Agrarkonzernen. (Im Bild ein Rapsfeld der Firma EUROFARMS Spearhead International in der Tschechischen Republik. Foto: Christian Müller)
Die unterschätzte Beistandsklausel
Im öffentlichen Diskurs über die europäische Integration der Ukraine konzentriert sich die Debatte nahezu ausschließlich auf eine mögliche NATO-Mitgliedschaft. Diese wird – zu Recht – als hochproblematisch betrachtet und von den meisten NATO-Mitgliedern abgelehnt. Ein EU-Beitritt hingegen wird überwiegend als politische Geste europäischer Solidarität interpretiert, deren sicherheitspolitische Dimension als vernachlässigbar gilt. Diese Einschätzung beruht auf einem fundamentalen Missverständnis der vertragsrechtlichen Grundlagen der Europäischen Union.
Mit dem Vertrag von Lissabon wurde die EU 2009 mit einer Beistandsklausel ausgestattet, die in Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags verankert ist: „Im Falle eines bewaffneten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats schulden die anderen Mitgliedstaaten ihm alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung.“
Zum Vergleich: Der berühmte Artikel 5 des NATO-Vertrags verpflichtet die Mitgliedstaaten lediglich, „unverzüglich […] die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, [zu ergreifen], die sie für erforderlich erachten“. Diese Formulierung räumt den Mitgliedstaaten erheblichen Ermessensspielraum ein – wie die Geschichte gezeigt hat, kann dies von symbolischen Gesten bis zu umfassender militärischer Intervention reichen.
Die EU-Klausel ist deutlich verbindlicher formuliert: „alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung“ lässt wesentlich weniger Interpretationsspielraum. Hinzu kommt ein struktureller Faktor: 21 der 27 EU-Mitgliedstaaten sind zugleich NATO-Mitglieder. Sollte die Ukraine der EU beitreten und ein militärischer Konflikt mit Russland fortbestehen, würde jede Aktivierung von Artikel 42 Absatz 7 automatisch die überwältigende Mehrheit der NATO-Mitglieder rechtlich binden. Die Folge: NATO-Mitglieder befänden sich de facto im Krieg mit Russland – was die Aktivierung von Artikel 5 der NATO zwar nicht zwingend, aber zunehmend wahrscheinlich macht.
„Der Mauretanier“ Mohamedou Ould Slahi ist zum öffentlichen Gesicht der Anklage gegen das US-Gefangenenlager Guantánamo geworden, in dem er 14 Jahre lang eingesperrt war und schwer gefoltert wurde. Doch obwohl er vor zehn Jahren freigelassen wurde und seine Unschuld zweifelsfrei bewiesen ist, darf er nicht nach Duisburg reisen. Die deutschen Behörden behandeln ihn weiterhin als „Terroristen“.
Deutlicher könnten sie ihre Unterstützung für die diktatorischen Herrschaftsmethoden Donald Trumps nicht zeigen, der das berüchtigte Foltergefängnis Guantánamo zum Konzentrationslager für 30.000 Häftlinge ausbauen lässt und nach seinem Vorbild überall in den USA ähnliche Lager für Migranten errichtet.
Slahi wurde international bekannt, weil er seine Leidensgeschichte in Tagebuchaufzeichnungen festgehalten hatte, die unter dem Titel „Das Guantánamo-Tagebuch“ zunächst mit vielen Schwärzungen veröffentlicht wurden. Es lieferte die Grundlage für das Drehbuch des Films „Der Mauretanier“ mit Jodie Foster als Menschenrechtsanwältin und Benedict Cumberbatch als Ermittler, der von etwa 3,8 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern gesehen wurde.
Der Film wurde auch im deutschen Fernsehen gezeigt. Eine Dokumentation unter dem Titel „Slahi und seine Folterer“ ist in der ARD Mediathek zu sehen.
Doch trotz seiner Rehabilitation darf Slahi, der inzwischen als Schriftsteller tätig ist, bis heute nicht nach Deutschland reisen. Die Einreise ist ihm wiederholt verweigert worden.
Die USA haben die moralische Verantwortung, die beschlagnahmten Vermögenswerte Afghanistans zurückzugeben, doch Moral spielt in der US-Politik keine Rolle, geschweige denn unter „Trump 2.0“ angesichts dessen hyperrealistischen Ansatzes, nationale Interessen zu deklarieren und dann durchzusetzen.
Russlands Ständiger UN-Vertreter Wassili Nebensja hielt Anfang März eine eindringliche Rede über Afghanistan. Er verurteilte die „Versuche des Westens, einen selektiven Ansatz voranzutreiben, bei dem der Schwerpunkt auf Themen liegt, über die westliche Geber bereit sind zu diskutieren“, von denen er erwartet, dass sie „nicht zum gewünschten Ergebnis führen werden“. Er sagte ihnen: „Wenn ihr den Frauen und Mädchen Afghanistans wirklich helfen wollt, nicht nur mit Worten, sondern mit Taten, dann helft mit, Bedingungen zu schaffen, unter denen sie in einem stabilen und entwickelten Land leben können.“
Diese Zurechtweisung kam zum richtigen Zeitpunkt, da Nebenzia hinzufügte, dass sein politischer Vorschlag „angesichts einer möglichen neuen Flüchtlingswelle, die aus dem benachbarten Iran zurückkehren muss, während die Vereinigten Staaten und Israel bewaffnete Angriffe gegen diesen Land führen, besonders wichtig“ sei. Die Schätzungen variieren, doch man geht davon aus, dass im Laufe der fast ein halbes Jahrhundert andauernden Kriege in ihrem Land – zu denen nun auch der jüngste militärische Konflikt mit Pakistan zählt – etwa vier bis sechs Millionen afghanische Flüchtlinge in den Iran geflohen sind.
Auch darauf ging Nebenzia ein, indem er erklärte: „Wir sind besorgt über die drastische Eskalation der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Afghanistan und Pakistan, beides Länder, die uns freundlich gesinnt sind. Wir sind überzeugt, dass es unerlässlich ist, die Situation wieder auf den politischen und diplomatischen Weg zurückzuführen. Wir sind bereit, unseren Freunden Hilfe und Unterstützung zu leisten. Wir hoffen zudem auf eine Wiederaufnahme der für beide Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit zwischen ihnen, auch in Fragen der Terrorismusbekämpfung.“
Er sprach auch über die Herausforderungen Afghanistans im Bereich Terrorismus und Drogen, wobei er die Taliban für ihre Bemühungen lobte, diese anzugehen, bekräftigte jedoch, dass es gezielte Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft ohne die vom Westen und seinen Gebern geforderten Vorbedingungen erfordere, wenn dies gelingen solle. Darin liegt der Kern der Probleme Afghanistans nach der Besatzung, da die USA zögern, diese Unterstützung zu leisten, und zudem immer noch die Vermögenswerte der Regierung aus der Besatzungszeit in Höhe von fast zehn Milliarden US-Dollar zurückhalten, die sie Ende 2021 eingefroren haben.
Die Freigabe dieser Mittel ist jedoch an Bedingungen geknüpft, beispielsweise dass die Taliban ihr Versprechen einhalten, eine ethnisch und regional inklusive Regierung zu bilden und das westliche Verständnis von Frauenrechten zu wahren. Die Taliban sind jedoch zu beidem nicht bereit, und ihre Priorität liegt darin, die oben genannten Übel und die Armut zu bekämpfen. Die pragmatische Hilfe Russlands und anderer Länder wie Indiens trotz der gebrochenen Versprechen der Taliban wird zwar geschätzt, reicht aber nicht aus, weshalb auch die Unterstützung der USA notwendig ist.
Die USA haben eine moralische Verantwortung, die beschlagnahmten Vermögenswerte Afghanistans zurückzugeben, doch Moral bestimmt nicht die US-Politik, geschweige denn unter Trump 2.0 angesichts seines hyperrealistischen Ansatzes, nationale Interessen zu deklarieren und dann rücksichtslos durchzusetzen. Nebenzia hat dies nicht ausdrücklich gesagt, aber er schien anzudeuten, dass die USA unter dem Vorwand, im Austausch für Hilfe Zugeständnisse von den Taliban zu fordern, nicht erklärte Interessen verfolgen, die darauf abzielen könnten, die Instabilität in Afghanistan zu verlängern und damit zu verschärfen, bis sie zu einer regionalen Krise wird.
Russland, China und/oder dem Iran könnte dadurch strategischer Schaden zugefügt werden, was letztlich auf einen Plan hinauslaufen würde, Afghanistan zu einer Brutstätte des Chaos zu machen, das dann durch unkonventionelle Mittel exportiert werden könnte, um Gegner der USA zu destabilisieren. Russland ist sich dessen bewusst, wie Nebenzia mit seiner Äußerung belegt: „Wir sind entschlossen, partnerschaftliche Beziehungen zu [Afghanistan] in allen Bereichen, einschließlich der regionalen Sicherheit, aufzubauen“, doch die Form, die diese regionale Sicherheitszusammenarbeit annehmen wird, bleibt vorerst unklar.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.
»Es sieht nicht gut aus im Nahen Osten, dabei hätte es doch so einfach sein können. So jedenfalls versuchte es uns Präsident Trump zu erklären. Du bombardierst ein paar Tage lang den Iran, die Führung wird ausgeschaltet, das Volk erhebt sich auf den Straßen und am Ende obsiegt die Freiheit. Und diese sehr schlichte Weisheit, die uns der amerikanische Präsident und mit ihm andere zu vermitteln versuchten, diese Weisheit wurde ja auch vielfach geglaubt.
Unmittelbar nach Kriegsbeginn war Bundeskanzler März der Meinung, dass es jetzt nicht an der Zeit sei, dass man nun die beiden Angreifer USA und Israel kritisiere, denn ich zitiere, „völkerrechtliche Einordnungen werden relativ wenig bewirken. Deshalb ist jetzt nicht der Moment, unsere Partner zu belehren“, so der Bundeskanzler Anfang März 2026. und Armin Laschet, sein Parteifreund, ebenfalls CDU Vorsitzender und des auswärtigen Ausschusses, erklärte in einer Talkshow, dass es doch nun wirklich nicht in Ordnung sei, irgendwelche Völkerrechtsdebatten zu führen, wo doch im Grunde genommen im Iran nun die Dinge gut am Laufen sein. Diese Aussagen sind in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen relativieren sie Rechtsgrundsätze. Im Grunde genommen sagen der Kanzler, sagen die, allgemein gesagt, die Parteien der „demokratischen Mitte“, sagen im Prinzip, das Völkerrecht gilt nicht mit Blick auf die Schurkenstaaten dieser Welt. Und da der Iran, nun Inkarnation des Bösen, verkörpert in Gestalt seines dortigen Regimes, muss man das Völkerrecht mit Blick auf den Iran auch nicht weiter beachten.
Und diese rechtliche Einordnung grenzt ans Absurde. Natürlich gilt das Völkerrecht uneingeschränkt, und wenn unsere Politiker ein wenig Geschichtsbewusstsein hätten, dann könnten sie sich erinnern an den Westfälischen Frieden von 1648, geschlossen zu Münster, als am Ende des 30-jährigen Krieges die damaligen Kriegsparteien sich darauf verständigten, dass niemand mehr Gebietsansprüche auf andere haben wolle und auch keine, wie man heute sagen würde, Regimewechsel in solchen Gebieten anstrebe, die nicht mit den eigenen in „Wertvorstellungen“ im Einklang stünden. Das ist eigentlich die Grundlinie des Völkerrechtes bis heute, und man glaubt das aber hier nun außer Kraft setzen zu können. Das ist natürlich auch der Gipfel der Doppelmoral. Wir erinnern uns, der russisch geführte „Angriffskrieg auf die Ukraine“ ist uneingeschränkt zu verurteilen, selbstverständlich hingegen der US-amerikanisch-Israelische Angriffskrieg auf den Iran nicht zu verurteilen, weil er hilft doch, den Menschen im Iran die Freiheit zu bringen. … ja so, ist ja für einen guten Zweck. Es geht ja um die Freiheit der Iraner. Darum geht es natürlich nicht. Das interessiert die Amerikaner einen feuchten Kehricht mit Verlaub, die Israelis ebenso … «
Joe Kents Rücktritt erschüttert Washington und reicht weit über Amerika hinaus. Sabiene Jahn erklärt, warum dieser Rücktritt so viel Gewicht hat.
Ein hochrangiger Sicherheitsbeamter tritt zurück – nicht still, nicht im Hintergrund, stattdessen mit einem offenen Angriff auf die offizielle Begründung eines laufenden Krieges. Joe Kent, bis vor kurzem einer der zentralen Architekten amerikanischer Terrorismusbekämpfung, stellt öffentlich eine weitreichende und entscheidende Frage: Was, wenn die Bedrohung, auf die sich dieser Krieg stützt, nie bestand? Sein Rücktritt ist mehr als ein persönlicher Schritt – er ist ein Riss im Fundament der politischen Erzählung der Vereinigten Staaten.
Der ehemalige Leiter des National Counterterrorism Center, Joe Kent trat am 17.März 2026 aus Protest gegen den Iran-Krieg aus der Trump-Regierung zurück. Bereits 2022 schilderte er im Gespräch mit der Journalistin Anya Parampil, wie seine Frau bei einem Anschlag in Syrien ums Leben kam – ein Ereignis, das er mit politischen Entscheidungen im Umfeld gescheiterter Abzugspläne in Verbindung bringt. Die persönliche Tragödie führte ihn damals in die Nähe Donald Trumps, der seinen Rücktritt nun scharf kritisierte. Sehen Sie sich das vollständige Interview aus dem Jahr 2022 mit Joe Kent an – dem ranghöchsten US-Beamten seit dem Vietnamkrieg, der aus Protest gegen einen Krieg zurückgetreten ist. Kent kandidierte zu dieser Zeit für den Kongress und trat gegen die kriegsbefürwortende Demokratin Marie Gluesenkamp-Perez an. Siehe dazu den Link am Ende des Artikels. (Das Bild ist ein Screenshot aus diesem Video.)
Nicht Explosionen erschüttern politische Ordnungen – es sind Bekenntnisse. Ein Satz genügt bisweilen, um das Gebäude der offiziellen Erzählung zu erschüttern. Joseph „Joe“ Kent, bis vor wenigen Stunden Direktor des „National Counterterrorism Center“, hat einen solchen Satz geschrieben. Er könne den Krieg gegen Iran „nicht guten Gewissens unterstützen“. Der Iran habe „keine unmittelbare Bedrohung“ dargestellt. Und mehr noch, dieser Krieg sei unter dem Druck Israels und einer mächtigen Lobby in den USA zustande gekommen. Es sind Worte, die nicht aus den Reihen der Opposition stammen, nicht aus einem Feuilleton und auch nicht aus den universitären Thinktanks. Es sind Worte aus dem Innersten der amerikanischen Sicherheitsarchitektur (1)(2)(3).
Wer ist dieser Mann, der sich offensiv gegen den Kurs seiner eigenen Regierung stellt? Um die Tragweite seines Rücktritts aus dem Staatsdienst zu verstehen, muss man das Amt begreifen, das Kent niedergelegt hat. Joe Kent ist kein Beamter aus der zweiten Reihe, kein pazifistischer Aktivist, auch kein akademischer Theoretiker. Er ist das Produkt genau jener Institutionen, deren Entscheidungen er nun infrage stellt. Kent ist ein 45-jähriger Veteran, stammt aus Sweet Home im Bundesstaat Oregon und wurde in Portland groß. Er diente rund zwanzig Jahre in der Armee, unter anderem im 75th Ranger Regiment, bei den Special Forces und im U.S. Army Special Operations Command. Das offizielle NCTC-Profil betont seine elf Kampfeinsätze in Nahost und anderen Hochrisiko-Regionen sowie mehrere militärische Auszeichnungen. Nach seiner Militärzeit arbeitete er als paramilitärischer Offizier für die CIA (4)(5). Politisch profilierte er sich anschließend als Vertreter eines Interventionismus-kritischen „America First“-Milieus, scheiterte jedoch 2022 und 2024 jeweils bei Kongresswahlen in Washington State.
Das Versprechen der EU-Außenminister vom Montag, sich nicht am Krieg gegen den Iran zu beteiligen („Das ist nicht unser Krieg“), hat gerade drei Tage gehalten. Gestern veröffentlichten die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Großbritannien und Japan eine gemeinsame Erklärung, in der sie sich verpflichten, die Straße von Hormus freizuhalten.
Die Erklärung erwähnt die USA und Israel, die den Iran vor 20 Tagen völkerrechtswidrig angegriffen haben und seither pausenlos bombardieren, mit keinem Wort. Stattdessen macht sie das Opfer für den Krieg verantwortlich und wirft dem Iran vor, das Völkerrecht zu brechen.
„Wir verurteilen aufs Schärfste die jüngsten Angriffe des Iran auf unbewaffnete Handelsschiffe im Golf, die Angriffe auf zivile Infrastruktur, einschließlich Öl- und Gasanlagen, sowie die faktische Sperrung der Straße von Hormus durch iranische Streitkräfte“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. „Die Freiheit der Schifffahrt ist ein Grundprinzip des Völkerrechts. … Wir bekunden unsere Bereitschaft, zu geeigneten Maßnahmen beizutragen, um eine sichere Durchfahrt durch die Meerenge zu gewährleisten. Wir begrüßen das Engagement der Staaten, die sich an den Vorbereitungsplanungen beteiligen.“
Das kann nur als Ankündigung verstanden werden, sich selbst am Krieg zu beteiligen, was die Außenminister vor drei Tagen noch abgelehnt hatten. Die gemeinsame Erklärung nennt zwar keine konkreten Schritte, und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz sagte am Rande des EU-Gipfels, man werde sich erst nach dem Ende der Kampfhandlungen beteiligen. Doch die rasche Eskalation des Kriegs spricht eine andere Sprache.
Die rechtsextreme Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu nutzt den amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran, um ein Groß-Israel zu errichten. Dafür ist sie bereit, jeden Widerstand, ob libanesisch, palästinensisch oder iranisch, zu zerschlagen.
Wenige Tage nach dem Angriff auf den Iran erklärten die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) der Hisbollah den Krieg. Damit wurde ein Plan aktiviert, der schon seit langem ausgearbeitet worden war, lange vor dem eher symbolischen Raketenbeschuss, mit dem die Hisbollah auf den Mord an dem Obersten Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, reagierte.
Israel hat das Waffenstillstandsabkommen mit der Hisbollah von 2024 mehr als 10.000 Mal gebrochen und damit seine Ablehnung jeder Verhandlungslösung offen zur Schau gestellt. Sein Ziel ist die Zerstörung der Hisbollah, die Beseitigung des iranischen Einflusses und die Unterwerfung des Libanon.
Die Hisbollah entstand in den 1980er Jahren als Massenbewegung der schiitischen Armen, geschmiedet im Schmelztiegel des libanesischen Bürgerkriegs – eines Krieges, der durch die Intervention der USA angeheizt wurde – und der brutalen israelischen Besetzung des Südens von 1982 bis 2000. Sie bleibt das wichtigste Hindernis für Israels Vorherrschaft über den Libanon.
Der israelische öffentlich-rechtliche Sender KAN berichtet, dass die Regierung erwägt, die Obergrenze für die Mobilisierung von Reservisten auf 450.000 anzuheben – fast das Doppelte der derzeit genehmigten Obergrenze – in Erwartung einer umfassenden Bodenoffensive. Die IDF haben die Massenevakuierung aller Bewohner südlich des Litani-Flusses und der südlichen Vororte Beiruts angeordnet und gleichzeitig Bodentruppen in den Libanon entsandt.
Von Peter F. Mayer und Jochen Mitschka – 19. März 2026
Es war Israel, das das größte Gasfeld des Irans, South Pars, angriff. Diese Quelle liefert 75 Prozent von Irans Erdgasproduktion und 85 Prozent der Elektrizität. Der Angriff erfolgte kurz nach der Ermordung des Generalsekretärs des Nationalen Sicherheitsrats des Irans, Ali Larijani. Und Simplicius meint, damit haben „die Dinge den Ventilator getroffen“. D.h. die nächste Eskalation wird unweigerlich durch den Iran definitiv eine Energiekrise auslösen, denn das Land übt regelmäßig spiegelgleiche Vergeltung.
„Dies führte dazu, dass der Iran die Angriffe umgehend auf Energieziele in Israel und am Golf eskalierte und insbesondere den Gasknotenpunkt Ras Laffan in Katar angriff, der als der größte der Welt gilt. Der Angriff war erfolgreich und soll massive Schäden an der Anlage verursacht haben, die nach Ansicht einiger Experten irreparabel sind. (…) Die bedeutendste Entwicklung in diesem plötzlichen Sturm der Enthüllung ist jedoch, dass die USA diese einseitigen israelischen Angriffe weder autorisiert noch daran teilgenommen haben, obwohl erste Berichte auf eine gemeinsame Durchführung hindeuteten. Gerüchte sickerten den ganzen Tag über durch, bis Trump es schließlich selbst in einem Wutausbruch in den sozialen Medien bestätigte, in dem er Israel für seine Unverfrorenheit scharf kritisierte und gleichzeitig dem Iran mit weiterer barbarischer Zerstörung drohte.“ (Weiterlesen in Englisch) Wir sehen also deutlich, wer die Welt in Katastrophe treibt, denn ohne Energie entstehen nicht nur Hungersnöte, sondern wird ein großer Teil der Welt um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in der Entwicklung zurückgeworfen. Aber das ist nicht die einzige Eskalation durch Israel in den letzten 24 Stunden.
Aus Sicht des Globalen Südens haben sich in den letzten acht Stunden im Irankrieg weitere Eskalationen ereignet, die vor allem als Fortsetzung einer illegalen Aggression der USA und Israels gegen die Souveränität Irans wahrgenommen werden. Israels Armee hat erstmals seit Kriegsbeginn Ziele im Norden Irans angegriffen, darunter laut israelischen Medien Schiffe der iranischen Marine im Kaspischen Meer; dies wird im Globalen Süden als unerlaubte Ausweitung des Konflikts auf neutrale Gewässer und als Verletzung internationalen Rechts kritisiert.
Während Länder, die glauben stark zu sein, inzwischen ganz offen Völkerrecht und Menschenrecht missachten, versuchen schwache Länder immer noch, es am Leben zu erhalten. Gleichzeitig startete Israel eine neue Angriffswelle gegen militärische Infrastruktur im ganzen Land, bei der in der Nacht erstmals ein Öllager in Teheran bombardiert wurde – ein Schritt, der aus Sicht vieler Staaten des Globalen Südens die Energieversorgung der Region gezielt destabilisiert und vor allem Entwicklungsländer durch steigende Ölpreise trifft, weil unweigerlich eine Vergeltung folgen wird.
Der Iran reagierte mit einer neuen Welle ballistischer Raketen auf Israel, wobei Sirenen in Tel Aviv ausgelöst wurden und drei Privatflugzeuge beschädigt wurden; diese Gegenangriffe gelten im Globalen Süden nicht als Eskalation, sondern als legitime Verteidigung eines souveränen Staates gegen anhaltende Bombardements. Länder wie Südafrika und andere Vertreter des Globalen Südens fordern seit Beginn des Krieges einen sofortigen Waffenstillstand und bieten Vermittlung an, da sie den Konflikt als „illegalen Angriffskrieg“ der USA und Israels sehen, der die UN-Charta verletzt und globale Instabilität schürt.