Von Nick Beams – 27. Februar 2025
Auch wenn es sich bislang noch nicht in größeren Turbulenzen an den Finanzmärkten niederschlägt, hat die Eskalation des Wirtschaftskrieges, den US-Präsident Trump gegen den Rest der Welt führt, um die Vorherrschaft des US-Imperialismus aufrechtzuerhalten, jetzt schon Auswirkungen.
Trumps „Make America Great Again“-Agenda hat bereits die geopolitische Nachkriegsordnung erschüttert. Deutlich wird dies etwa in den Äußerungen des designierten deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz, der betonte, dass es notwendig sei, eine „Unabhängigkeit“ von den USA anzustreben, da sich die amerikanische Regierung „weitgehend gleichgültig gegenüber dem Schicksal Europas“ verhalte.
Auch wenn die Auswirkungen auf das Finanzsystem nicht so offensichtlich sind: Unter der Oberfläche bauen sich Spannungen und Widersprüche auf. Eines der deutlichsten Anzeichen dafür ist das Steigen des Goldpreises.
Seit Anfang 2024 ist er um 44 Prozent gestiegen, allein in diesem Jahr schon um 11 Prozent. Der Goldpreis liegt nun knapp unter 3.000 US-Dollar – ein Rekord – und es wird prognostiziert, dass er schon bald die Marke von 3.500 Dollar oder noch mehr knacken könnte.
Als Grund für den Anstieg wird unter anderem die Unsicherheit genannt, die durch die von der Trump-Regierung angedrohten weitreichenden Zölle gegenüber Freund und Feind entstanden ist. James Steel, Analyst für Edelmetalle bei der globalen Bank HSBC, erklärte gegenüber der Financial Times: „Wenn der Handel schrumpft, steigt der Goldpreis. Je mehr Zölle es gibt, desto größer wird die Störung des Welthandels sein, und desto besser ist das für das Gold.“
Die gestiegene Nachfrage nach Gold hat zu Szenen geführt, die man vorher nicht für möglich gehalten hätte. Händler verlagern Gold physisch von London – dem Haupthandelsplatz für das Edelmetall – nach New York. Der Ansturm führte zu wochenlangen Warteschlangen, um Gold aus den Londoner Tresoren zu bekommen. Die London Bullion Market Association, die eine Lieferung innerhalb von zwei bis drei Tagen zugesagt hatte, wurde dadurch erheblich unter Druck gesetzt.
Der Ansturm war so heftig, dass sich der Gouverneur der Bank von England, Andrew Bailey, Anfang des Monats gezwungen sah, die Anleger zu beruhigen und darauf hinzuweisen, dass „es immer noch reichlich Gold gibt“.